Mein Pow Wow Erlebnis

Ich habe bereits erwähnt, dass mich die Kultur und Spiritualität der amerikanischen Ureinwohner sehr interessiert. Aber wie kommt das? In den Jahren 1997/1998 lebte ich in Bozeman, Montana (USA) und habe dort amerikanische Geschichte und Literatur studiert. Montana war und ist noch Heimat von verschiedenen indigenen Völkern. Heute leben noch 8 Stämme auf Reservaten in Montana, darunter die wohl bekanntesten: NIITSITAPI BLACKFEET und die APSAALOOKE CROW. Während meines Aufenthaltes hatte ich die Gelegenheit, als Gast an einem Powwow teilzunehmen. Dies war ein sehr großes Ereignis, hat sich über mehrere Stunden hingezogen und einen tiefen Eindruck in mir hinterlassen. Im Jahr 2014 habe ich auf einer USA Reise erneut an einem Powwow teilnehmen können. In diesem Blogeintrag werde ich die wichtigsten Fakten über ein Powwow erklären und meine persönlichen Erfahrungen einbringen. Alle Informationen die ihr hier lesen könnt, stammen aus persönlichen Gesprächen mit den Menschen, aber auch aus Erfahrungen, die ich auf meinen Reisen durch die USA und aus meinen Studienkursen in der Vergangenheit erlangen konnte. Wenn ihr weitergehende Fragen habt, könnt ihr mich gern kontaktieren.

Was ist ein Powwow? Es ist zunächst eine Veranstaltung, zu der sich verschiedene Nationen treffen um zu singen, tanzen und beten. Es ist ein Zusammentreffen, um die indianische Kultur zu erneuern und das kulturelle Erbe zu erhalten. Weiße sind ebenfalls innerhalb einer bestimmten Zeitspanne willkommen. Die Sänger: es kommen mehrere Sänger aus unterschiedlichen Nationen zum Powwow. Die Lieder sind mit den jeweiligen Stämmen verbunden. Daher bestehen einige Lieder aus Worten, viele jedoch aus Vokabeln, Tongebungen und Melodien. Auf diese Art können die anderen Teilnehmer in den Gesang einsteigen, ohne die Sprache zu kennen. Das wichtigste Symbol ist die Trommel. Sie symbolisiert den Herzschlag von Mutter Erde und vereint die Ahnen-Geister mit den tanzenden Teilnehmern. Die Trommel kann als Gegenstand oder auch als Wesen betrachtet werden und muss dementsprechend respektiert werden. Der Klang der Trommeln ist hypnotisierend. Ich konnte das Schlagen der Trommeln wie eine Vibration spüren, die vom Boden durch meine Füße, den Körper hinauf bis in den Kopf stieg. Dieses Gefühl ist fast nicht zu beschreiben. Nur zu gut konnte ich verstehen, dass die Ureinwohner auf diese Weise mit ihren Ahnen in Kontakt treten. Man kann es buchstäblich an der Mimik in den Gesichtern sehen, diese Verbindung, den Trance-ähnlichen Zustand. Während der Tänze beten die Teilnehmer, im Kontakt zu ihren Vorfahren. Dies war faszinierend zu beobachten. Kleidung: zuerst einmal: man bezeichnet die Kleidung, die auf einem Powwow getragen wird, niemals als „Kostüm“! Die Tanzkleidung wird entweder „Ornat“ oder „Tracht“ genannt. Der Ornat ist eng mit dem Tänzer und/oder dem Tanz verbunden. Die kunstvollen Verzierungen, die Stoffe und Perlarbeiten beinhalten persönliche Motive, die auch die Herkunft des Tänzers widerspiegeln.

Als ich im September 2014 am Ort des Powwow in Ossipee eintraf, wurde ich mit einem Lächeln herzlich willkommen geheißen. Es war ziemlich schwierig, sich durch die schönen aber einsamen Wälder New Hampshires zu finden. Ich war die einzige nicht-indigene Person dort, eine Weiße, und die Menschen waren sehr interessiert zu erfahren, woher ich käme und vor allem warum ich hier sei. Man versicherte mir, jeder würde mir jederzeit bereitwillig Fragen beantworten. So fragte ich, wann es erlaubt sei, Fotos zu machen. Die Dame am Eingang sagte, ich solle den Durchsagen des Sprechers folgen. Ich war etwas nervös, da ich nicht respektlos erscheinen wollte mit meinen Fragen. Aber die Menschen waren so offen und freundlich, dass diese Bedenken schnell verflogen. Powwows sind gewöhnlich nicht kommerziell. Man nimmt gern Spenden entgegen, die dann dem Organisationsteam zukommen. Spenden werden als eine Tat der Ehrung betrachtet. Ich füllte noch einen kleinen Zettel aus, auf dem ich notierte woher ich komme und warum ich hier sei und sah mich nach einer Bank um. Als ich den Platz betrat, fiel sofort der heilige Kreis auf, in dem die Tänze stattfinden. Um diesen Kreis herum standen Bänke und Klappstühle, die sich jeder Besucher selbst mitbringt. Jeder grüßte und war sehr freundlich. Ein Duft von Frybread (indianisches Brot, ähnlich dem ungarischen Langos) und Salbei lag in der Luft. Ein Powwow ist auch eine gute Gelegenheit selbst hergestellte Waren zu verkaufen und zu kaufen wie z.B. Schmuck, Räucherwerk wie Salbei, Kleidung, Traumfänger usw. Während ich auf der Bank saß und dem Treiben zusah, kamen zwei Männer auf mich zu. Sie hörten, ich käme aus Deutschland und wollten meine Fragen beantworten. Sie erklärten viel über den Hergang des Festes und die Etikette. Ich solle aufstehen, wenn alle anderen es tun und mich setzen, wenn alle anderen sich setzen. Fotos dürfe ich nur machen, wenn es der Sprecher (der Zeremonienmeister) ausdrücklich erlaubt oder ich könne die Personen direkt selbst ansprechen. Ich beobachtete den Eingang des Kreises, wie die Teilnehmer sich dem Reinigungsritual unterzogen. Dies ist eine rituelle Reinigung mit Salbei und anderen Kräutern, um negative Energien der Person und des Umfeldes zu vertreiben. Außerdem trägt der Rauch die Gebete zu den Ahnen in den Himmel. Während einer rituellen Reinigung dürfen keine Fotos gemacht werden.

Der Zeremonienmeister/Sprecher betrat den heiligen Kreis. Er hieß alle Gäste willkommen und erklärte die Etikette, die Regeln, den Ablauf des Tages. Das Powwow begann mit dem „great entry“ und 3 Ehrenliedern. Alle Tänzer betraten den Kreis (im Osten) und bewegten sich in Uhrzeigersinn, bis der letzte Tänzer im Kreis eingetreten war. Dazu wurden drei Lieder gesungen: zur Ehrung der verschiedenen Nationen, der US Flagge und die Flaggen der Ureinwohner ehren. Der letzte Gesang ehrte die Veteranen. *1 Während dieses „großen Einzugs“ der Tänzer werden alle Gäste gebeten sich zu erheben. Veteranen tragen die Fahnen. Trotz der schrecklichen Dinge, die den indigenen Völkern durch die Europäer angetan wurden, tragen die Indianer die US Fahne ehrenvoll. Die Flagge hat zwei Bedeutungen für sie. Zum einen erinnert sie an die Vorfahren, die gegen die Landübernahme gekämpft haben. Zum anderen ist sie ein Symbol für die Vereinigten Staaten, denen die Ureinwohner angehören. Die Reihenfolge des Zutritts in den Kreis ist wie folgt: Veteranen, Stammes Oberhaupte, Älteste, Männer, Frauen, Kinder. Nachdem alle Teilnehmer im Kreis sind, endet der Gesang. Dann folgt ein Ehrenlied für die Flaggen und der Veteranen. Nach einem Gebet folgen die Rundtänze. *2 Mir blieben nur rund 2 Stunden und ich habe jede Minute genossen. Zeitweise war ich überwältigt von unerwarteten Gefühlen wie Ehrfurcht, Glück, Respekt, Dankbarkeit oder Scham. Bevor ich ging, kaufte ich noch einige Dinge bei den Verkäufern. Ihre Kunstfertigkeit ist beeindruckend. Ich habe mit dem Organisationsteam vereinbart, dass ich meine Fotos später an sie verschicke. Das tat ich, und man dankte mir nochmals für meine Teilnahme und mein Interesse und erlaubte mir, die Bilder auf der Webseite zu veröffentlichen. Ich bin sehr dankbar für ihre Freundlichkeit, ihre Erklärungen und ihr warmes Willkommen!

Für Vollansicht auf das Bild klicken. 

*1 Quelle: http://www.motherearthscreation.com/

*2 Quelle: http://www.powwows.com/what-is-a-pow-wow/#ixzz3S0PY6MrB

Social media & sharing icons powered by UltimatelySocial