Lake Powell, Arizona

Während meines Studiums in Bozeman, Montana 1997/98 habe ich viele Touren unternommen, wie z.B. Wandern, Wildwasser-Raften etc. Ziele dieser Trips waren unter anderem der Yellowstone N.P. und der Glacier N.P. Dieser Blog wird über meine Kajak/Kanu-Reise zum Lake Powell in Utah berichten. Fotos wurden damals noch auf Film aufgenommen. Mein Fotoapparat ist mir während dieses Ausfluges jedoch aus der Hand in den Sand der Ufer des Lake Powell gefallen. Er hätte sich keinen schönen Ort für seine letzte Aufnahme aussuchen können…Zum Glück hatten die anderen Teilnehmer teils zwei Apparate und ich durfte damit die restlichen Fotos aufnehmen.

Samstag, 14.03.1998

Um 7.30 Uhr starteten wir heute unsere Fahrt von Bozeman (A) nach Lake Powell. Von der I91 (Huffin Lane) ging es Richtung West Yellowstone. Wir fuhren durch die Orte Four Corners und Gallatin Gateway (B) gen Süden, vorbei am berühmten Skiort Big Sky. Weiter ging´s auf dem Hwy20 in südlicher Richtung nach Idaho Falls (C) (Idaho). Wir haben in Ashton getankt. Nun ja, nicht viel los hier. Die Landschaft ist zu jeder Zeit einfach traumhaft, abwechslungsreich. Die meisten Teilnehmer haben im Kleinbus geschlafen. Das konnte ich überhaupt nicht verstehen! Schlafen kann ich später, im Zelt. Jetzt will ich alles aufnehmen, was ich unterwegs sehe!

Wir kamen langsam den Teton Bergen näher, die sich am Horizont markant abzeichneten.  Diese  Begkette sieht sehr beeindruckend aus. Zwischen Blackfoot und Pocatello durchfuhren wir das Shoshone-Bannock Indianer-Reservat. Gesehen habe ich nicht viel. Ab und zu ein verfallenes Haus, weite, endlose Straßen. In Pocatello bogen wir auf den Hwy15 Richtung Süden nach Salt Lake City ab. In Tremonton/Utah (D) hielten wir, um einen kurzen Zwischenstopp einzulegen. Getankt wurde in Ogden, Utah, dann ging die Fahrt entlang des Great Salt Lake. Den hatte ich mir aber anders vorgestellt. Alles wirkte eher sumpfig. Es war ein wenig befremdlich. Wir kamen in die Stadt Salt Lake City (E) hinein, das Wetter wurde dunstig. Die city hatte ich mir auch anders vorgestellt. Eigentlich nichts Besonderes. Hoch oben und weit sichtbar ein weißer riesengroßer Tempel der Mormonen. Weitere kurze Stopps gab es in Provo, Utah (F). Abendessen gab es in Fillmore (G), bei Burger King.

Mike, unser Reise-Guru ist ein ruhiger Geselle, eher wortkarg, streng. Aber ich mag ihn sehr. Er hat etwas Geheimnisvolles. Wenn man ihm Fragen zum Land, zur Geschichte stellt, kann er diese alle beantworten und man bemerkt einen Glanz in seinen Augen, wenn er von der Natur erzählt. Das gefällt mir.

Es geht weiter zum Übernachtungsort in Cedar City, Utah (I). Ein Best Western. Ich weiß nicht mehr, wann wir ankamen, habe das nicht notiert. Aber der Tag war lang, sonnig,ca. 21°C aber windig. Gesamt Kilometer: 1.071 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Map by Google Maps

Sonntag, 15.03.1998
Nach dem Frühstück setzte sich unser blauer Van um 08 Uhr Richtung Page in Bewegung. Wir durchfuhren den Dixie und Zion NP. Diese Landschaft war grandios! In Kanab, Utah machten wir eine kurze Pause. Dann weiter Richtung Page, Arizona zu Wahweap Camp Area am Lake Powell. Gefahrene Kilometer: 260
Nach unserer Ankunft hat Mike das Hausboot mit der Nummer 86 entgegen genommen. Die Marina war voller Boote.

Panorama Wahweap Marina.jpg

 

 

 

 

 

 

 

 

Der See vor uns mit seinen Armen, die durch die Canyons krochen, sah vielversprechend
und einladend aus. Während Mike die Formalitäten klärte, gingen wir kurz in den Souvenirladen,
um Getränke, Snacks etc. zu kaufen. Meine Aufregung stieg. Ich fahre nicht gern Boot oder
Schiff oder dergleichen. Aber der See war flach wie ein Spiegel, da sollte ich eigentlich
keine Wellen merken…Wir bestiegen also das Hausboot und tuckerten Richtung Warm Creek Bay.
Ach, es war herrlich! So faulenzend auf dem Deck, die Sonne glitzert auf dem blauen See, die roten Felsen leuchten, die Ruhe – traumhaft…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als wir ankamen, habe ich mein kleines blaues Zelt aufgebaut, natürlich etwas abseits der anderen.

Wir waren umgeben von bizarren Felsbrocken.

 

Warm Creek Bay0002

 

 

 

 

 

 

 

Hier seht ihr einen Überblick über den gesamten See:

 

Lake Powell overview

 

 

 

 

 

 

 

Warm Creek Bay, in der wir die erste Nacht in vollkommener Stille verbrachten:

 

Warm Creek Bay

 

 

 

 

 

 

Tagsüber war es sehr warm, jedoch kühlte es sich ziemlich schnell ab am Abend von ca. 20 auf 5°C. Nachdem wir unsere Zelte aufgeschlagen hatten, ist jeder ein wenig die Gegend erkunden gegangen. Ich lief entlang eines ausgetrockneten Flussbettes, umgeben von einer Riesenwand aus gelb bis tief rostrotem Gestein. Die untergehende Sonne zauberte diese Stimmung noch eindrucksvoller. Ich konnte die einzelnen Schichten des Wasserstandes im Felsen genau sehen.

 

stone structure

 

 

 

 

 

 

 

Nach dem Abendessen hat Rick uns gezeigt, wie man das Kartenspiel „hearts“ spielt. Ist kompliziert. Ich mag keine Kartenspiele. Als es dunkel war, habe ich den fantastischen Sternenhimmel betrachtet. Weit und breit kein Licht, das von einer Stadt reflektieren könnte, einfach nur die schwarze Nacht, Milliarden Sterne und ich. Ich habe sogar einen Satelliten gesehen. Meine erste Nacht im Zelt war sehr kalt und windig. Bei Sonnenaufgang wachte ich auf. Die Stille war beängstigend – unglaublich, man hörte sich selbst denken.

Little blue tent

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Karten: Google Maps

 

Montag, 16.03.1998

Mein Blick aus dem Zelt ist einfach super schön:

 

 

 

 

 

 

 

Heute ging es richtig los. Um 08.18 Uhr waren wir bereit für unsere Fahrt zum Navajo Canyon.

Navajo Canyon0002

 

 

 

 

 

 

 

Als wir dort ankamen, ging es weiter mit den Kajaks bis zum Ende des Flussausläufers.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Sonne knallte heiß. Wir liefen durch das Flussbett, es wurde immer sumpfiger, wir steckten im Wasser fest und mussten leider umkehren. Mit dem Hausboot fuhren wir zu einer Anasazi Ruine. Es war harte Arbeit dort rauf zu kommen. Man hatte zwar kleine Kerben im Stein für die Füße und Hände, aber man musste schon fit sein und ziemlich klettern. Dafür entlohnte der toller Blick über den Fluss.

Anasazi ruin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als ich so in dieser kleinen Höhle saß in der einst Anasazi Indianer lebten, überkam mich ein seltsames Gefühl. Ich wußte, dass vor tausenden von Jahren hier Menschen einer einzigartigen Kultur lebten und nun war ich in ihre Hausruine eingedrungen. Ich werde ja schnell sentimental und stellte mir vor, wie das Leben wohl gewesen sein muss. Nach einigen Minuten des Innehaltens genoß ich diesen Augenblick der Ehrfurcht, bevor uns Mike zur Weiterfahrt rief. Auf dem Rückweg frage mich Mike, ob ich mal das Boot steuern wolle. Na wie konnte er das zwei Mal sagen wollen! Voller Stolz ergriff ich das Lenkrad und wir glitten sanft durch die untergehende Sonne.

ich am steuer0001.jpg

 

Es gab keine Zwischenfälle während meiner „Übernahme“. Zurück am Sandstrand stellten wir wieder die Zelte auf. An diesem Tag sah ich meinen zweiten Adler, am Abend 2 Sternschnuppen. Die Nacht war wieder windig aber warm.

Dienstag, 17.03.1998

An diesem sonnigen Morgen fuhren wir um 07.30 Uhr zum Antelope Canyon. Mitten im Canyon warfen wir den Anker, denn das Boot war zu breit, um weiter den Flussausläufer hinein zu fahren. Weiter ging es mit Kajak und Kanu zum Ende des Flusslaufes. Ich hatte mich sehr auf diesen Tag gefreut. Man kennt die vielen schönen Fotos vom Antelope Canyon und ich wollte auch eines davon knipsen. Doch leider war der Canyon gesperrt. Es kam nun zu einer Diskussion zwischen allen Teilnehmern: wollen wir auf eigene Gefahr weiter laufen und eine Geldstrafe der Indianer riskieren, oder kehren wir um? Die Sache war schnell entschieden. Zu viert sind wir stumm das ausgetrocknete Fussbett entlang gelaufen. Der Grund der Sperrung war der tragische Unfall von 1997. Hier waren 11 Touristen aufgrund einer Springflut ums Leben gekommen. Unterwegs haben wir noch die Überreste der Grabungen gesehen, wahrscheinlich von der Suche nach den noch vermissten 2 Leichen. Dies war ein sehr komisches Gefühl. Wir liefen auch nicht weit in den Canyon hinein, da eine bedrückende Stimmung unter uns herrschte. Ich habe zwar kein Bild machen können, aber der Respekt den Menschen gegenüber hat Vorrang.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir fuhren mit unseren Booten zurück zum Hausboot. Auch heute sahen wir eine alte Anasazi Ruine. Der Aufstieg zur Höhle war wieder erwartet schwierig, aber auch dieser Ausblick und die Tatsache, dass ich an einem weiteren geschichtsträchtigen Ort war, lohnte die Anstrengung.

 

 

 

 

 

 

 

Nun ging es weiter zum Gunshot Canyon. Es war windig. Am Abend zogen ein Gewitter und Regen auf. Die Wolkenbildung vor dem Unwetter ließ mein Fotografenherz höher schlagen. Als es ungemütlich wurde, entschied ich, im Hausboot zu schlafen. Ich holte meine Sachen aus dem Zelt und bezog Quartier im Boot.

 

 

 

 

 

 

 

Nach dem Abendbrot gewohntes Spiel: Hearts. Ich hatte als Erste 1000 Punkte, fiel dann aber auf 50 zurück. Nun ja. Inzwischen stürmte und regnete es. Dennoch wollte Mike im Zelt übernachten, doch als er ins Zelt gehen wollte, waren alle Zelte weg geflogen. Niemand hatte somit eine andere Wahl.

Mittwoch, 18.03.1998

Am Morgen haben wir die Zelte gesucht und zurück gebracht. Wie durch ein Wunder war nichts verloren. Nach einem langen Frühstück ist jeder für sich wandern gegangen. Es war immer noch windig, aber die Sonne schien. Gegen 13.30 Uhr sind wir wieder aufgebrochen und haben nach einem neuen Campingplatz für heute Nacht gesucht. Mike entschied sich für den West Canyon.

 

Dieser Ort gefällt mir besonders gut. Er hat einen eigenen Zauber.

Wir waren rechtzeitig da und jeder hatte somit die Gelegenheit, die Gegend für sich zu entdecken. Ich sah von weitem eine Höhle und wollte natürlich dort hoch klettern. Es war mühselig, aber irgendwie habe ich es geschafft und bin reingeklettert. Im Nachhinein will ich gar nicht daran denken, was dort alles drin war, wo ich doch Kriechgetier so mag…Aber wow, von hier oben bot sich mir eine wunderschöne Aussicht auf die Bucht mit rotem Sonnenuntergang. Und genau jetzt, genau hier, an jenem Ort, der so zauberhaft war, entschied sich mein Fotoapparat, in den Sand zu fallen.

Rick entdeckte mich in der Höhle und machte ein Foto davon, das er mir später gab.

   

Als die Sonne unterging, konnte ich diese Stimmung in einer Spiegelung vor meinem Zelt einfangen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Abend wieder gewohntes „Hearts“ Spiel. Ich hatte mich leicht erkältet. Die kalten Nächte, der Wind und die warmen Tagestemperaturen haben mir etwas zugesetzt. Ich entschied, noch einmal im Boot zu übernachten und ging gegen 21.30 Uhr ins Bett.

Kartenmaterial: Google Maps

Donnerstag, 19.03.1998

Am Morgen bin ich noch einmal mit Rick zu den Löchern in der Wand gelaufen. Dieser Ort ist einfach so friedlich, ich wollte ihn noch einmal sehen, bevor wir die Rückreise antraten. Gegen 9 Uhr brachen wir dann alle Richtung West Canyon auf. Obwohl die Landschaft irgendwie immer gleich aussieht, ist sie doch so wunderschön abwechslungsreich, dass man sich nicht satt sehen kann. Im West Canyon angekommen, nahmen wir die Kajaks und fuhren bis zum Ende in den Flussarm hinein.

Danach liefen wir im tiefsten Matsch durch den wunderschönen Canyon. Jeder von uns ist mindestens ein Mal fast bis zu den Knien im Matsch eingesunken. Schön war das nicht, mit kalten, nassen Füßen zu laufen, in Socken.

    

 

Irgendwann ging es dann nicht mehr weiter. Das Wasser war zu tief und wir gingen zurück, um Mittag zu essen. Dabei mussten wir abenteuerliche Mini-Schluchten überwinden. Das war ein Spaß! Ich war voll in meinem Element!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir versuchten, einen Umweg durch das Wasser zu finden und stiegen auf einen kleinen Hügel. Von dort erhofften wir uns einen Überblick über das Tal und eine Alternativroute.

    

 

Doch leider gab es keinen anderen Weg. Wir mussten wieder durch das Wasser und den Matsch waten. Zum Glück war ich so beschäftigt, meinen Weg durch den Schlamm zu finden, dass ich die schlafende Klapperschlange übersah. Mit dem Hausboot ging es dann durch einen weiteren Flussarm. Teils war dieser so eng, dass wir uns rechts und links vom Boot positionieren mussten, um mit unseren Händen das Boot von den Felswänden weg zu stoßen. Die Navigation war teilweise eine Herausforderung! Aber wir hatten alle Riesenspaß! Wir haben es geschafft, und ich wurde dabei fotografiert, als ich das Boot und die Kajaks festschnürte.

West Canyon Boot0001 (Copy).jpg

 

 

 

Ein Versuch, in eine Bucht zu gelangen, misslang aufgrund der Enge. Also fuhren wir mit dem Hausboot in Richtung Friendship Cove zum Übernachten. Irgendwie haben wir unser Ziel verpasst und sind stattdessen weiter zum Dungeon Canyon gefahren.

Freitag, 20.03.1998

Nach dem Frühstück hatten wir geplant, eine Wanderung zu alten Anasazi Ruinen zu machen. Doch irgendwann haben sich alle getrennt. Jeder entdeckte einen anderen Weg und plötzlich war ich allein im Nirgendwo. Ich lief zurück und versuchte allein, die Ruinen zu finden. Leider erfolglos. Um 11.25 Uhr sind wir Richtung Wetherill Canyon gefahren. Mit dem Kajak ging es bis zum Ende des Flusslaufes, der wieder einmal matschig war. Aber – wir sind trotzdem durch den Matsch, bis das Wasser zu tief wurde. Unsere beiden Tourleiter gingen durch das eiskaltes Wasser, um zu sehen, ob der Weg sich eventuell doch lohnte und hinter dem Wasser eine Überraschung wartet. Ich habe mich so lange in den Sand gelegt. Doch, kein Erfolg, wir mussten zurück zum Hausboot paddeln.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es breitete sich eine melancholische Stimmung aus. Wir haben zum letzten Mal „Hearts“ gespielt.

 Samstag, 21.03.1998

Gegen halb 9 brachen wir Richtung Face Canyon auf. Wir haben ihn aber nur passiert, denn wir mussten zurück zur Marina, um das Boot abgegeben. Es gab noch ein Mittag gegen 12, dann haben wir uns von Rick verabschiedet. Er ging ab hier seine eigenen Wege. Um 14 Uhr traten wir wieder im blauen Van den Weg Richtung Heimat an. In Provo haben wir übernachtet. Gefahrene Kilometer: 545

Am Sonntag um 8 Uhr ging es dann endgültig zurück Richtung Bozeman. Dieser Kajak/Kanu/Wander-Trip war der Erste seiner Art für mich. Ich war noch nie in der Wüste von Arizona/Utah gewesen, bin aber mit unzähligen Eindrücken heim gekehrt. Die Natur hat so viele einzigartige Gegenden geschaffen. Ich war sehr froh und dankbar, dass ich an dieser Tour teilnehmen konnte. Der Dank geht an meine Mutter, die dies alles für mich ermöglichte.

Herz2.jpg

Kartenmaterial: http://www.utahoutdoors.com/

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