Auf den Spuren von Bloody Mary

Meine Mutter hat mich angesteckt und mir seit einer Weile vorgeschwämt, wie schön es doch in Edinburgh Schottland sein muss. Sie hat viele Dokumentationen gesehen und erzählte mir, sie würde da gern mal hinfahren. Nachdem ich die TV Serien „Reign“ und „Outlander“ sah, mich noch dazu für Geschichte und besonders „Maria Stuart (Bloody Mary, Mary Queen of Scots)“ interessiere, frage ich mich, warum ICH nicht auf die Idee gekommen bin! Natürlich, das ist ein super tolles Ziel! Nach einem Jahr haben wir diese Idee umgesetzt und im Mai 2015 war es  soweit: eine Woche Edinburgh!

Da ich nicht die gesamten 6 Tage in der Stadt bleiben wollte, surfte ich viel im Internet und fand viele hilfreiche Tipps und Hinweise. So buchten wir einen Tagesauflug mit „Rabbie´s Tours“, die man wirklich empfehlen kann. Man fährt mit Kleinbussen in Gruppen bis maximal 16 Personen ins Umland. Wir entschieden uns für den Ausflug „Auf den Spuren des Da Vinci Codes“. Ich liiiiebe den Film. Die Tour führte unter anderem zum Lieblingsplatz von Sir Walter Scott, „Scott´s View“ in den Hügeln der „Borders“.

Weiter ging´s nach Melrose zur alten „Melrose Abbey“, wo das Herz von Robert the Bruce begraben worden sein soll. Er war/ist der Held der schottischen Freiheitskämpfer des Unabhängigkeitskrieges aus dem 13. Jahrhundert.

Nach diesem Stopp fuhren wir durch die hügeligen und extrem kurvenreichen Straßen zum Drehort nach Roslin, in die Rosslyn Chapel. Hier hat man einen Teil des „Da Vinci Codes“ gedreht. Ich hatte mir die Kirche größer vorgestellt. Sie war klein aber sehr fein! Die Vielzahl an mysteriösen Figuren an und in der Kirche war beeindruckend! 

Der Tag ging schnell vorbei, auch, wenn es mir elend ging, ohne Reisekaugummis gegen Reisekrankheit! Unser Fahrer Bob kannte sich auf den engen Straßen aus und fuhr wie ein Einheimischer mit vollem Karacho. Nachdem ich ihm aber sagte, dass es mir schlecht ging, durfte ich auf den Sitz neben ihm sitzen und er zog mich natürlich die ganze Fahrt über auf! Er war sehr witzig und hatte es auf uns Deutsche abgesehen, nachdem Mutti ihm sagte, sie wolle nicht wissen, was er unter dem Kilt trägt…. Es war ein schöner Tag, aufregend und abwechslungsreich in der wunderschönen Landschaft der schottischen Borders!

An den nächsten Tagen erkundeten wir die Stadt: den besten Blick auf die Stadt hat man vom „Carlton Hill“.

Ein Highlight war für mich der Besuch des „Edinburgh Castle“. Wir standen eine Stunde an, um ein Ticket zu bekommen. Und es war nicht mal Touristen-Hochzeit! Der Kerker war interessant, es waren wirklich damals Um-und Zustände wie man es aus dem TV kennt! Man braucht schon mindestens 2-3 Stunden, um sich alles anzusehen! 

Eine weitere Sehenswürdigkeit war der Königspalast „Holyrood Palace“, am Ende der „Royal Mile“. Hier wohnte schon Maria Stuart, hier wurde ihr Privatsekretär David Riccio in ihrem Zimmer ermordet, während sie in ihr separates Esszimmer gedrängt wurde. Eine Audio- Führung durch den Palast ist ein Muss. Man erfährt auf diese Art viele spannende Geschichten um den Palast.

Worauf ich mich auch freute, war die alte „Holyrood Abbey“, die direkt hinter dem Palast stand. Sie wurde im 12. Jahrhundert als Chorherrenstift von König David errichtet. Während des 15. Jahrhunderts wurde das Gästehaus der Abtei in eine königliche Residenz umgewandelt. Die Ruinen der Abtei sind überwältigend schön.

Auf dem Weg zum Holyrood Palace kam man am Parlament vorbei. Ein moderner Bau direkt gegenüber des alt ehrwürdigen Palastes.

Ich las bei Trip Advisor vom Tearoom „Clarinda´s“. Wir fanden ihn auch direkt am unteren Ende der Royal Mile. Es war ein winzig kleines Café vollgestopft mit privaten alten Teetassen und Bildern. Ein sehr netter und gemütlicher Ort. Es gibt unzählige Sorten von schottischem Gebäck und hausgemachte warme Mahlzeiten, typisch schottisch. Wir aßen „Shepards Pie“ (Rinderhack mit Kartoffelbreikruste und Erbsen)und tranken Pfefferminztee, dessen Satz ich in meiner Albernheit auftürmte.

In Edinburgh kann man viele geführte Spaziergänge buchen. Meist werden diese durch Studenten durchgeführt. Wir interessierten uns für die dunkle Seite Edinburghs – das Leben in den Katakomben der „South Bridge“. Wir erfuhren, wie die damaligen Foltermethoden aussahen und hörten, wie das Leben im 18./19. Jahrundert aussah. Heute gibt es nur noch einen Bogen der Brücke von außen zu sehen. Alles Andere ist unterirdisch. Die Gewölbe der South Bridge betraten wir in völliger Dunkelheit. Nur ein paar Kerzen erhellten den Weg durch die Katakomben. Gruselgeschichten wurden erzählt, ebenso wie die Nutzung der Gewölbe und das Treiben.

Kurz vor unserer Abreise besuchten wir noch den „Greyfriar´s Kirkyard“, einen alten Friedhof, in dem man Gräber aus dm 16. Jahrhundert findet. Berühmtheit hat er jedoch durch eine andere Begebenheit erlangt: John Gray lebte im 19. Jahrhundert in Edinburgh als Nachtwächter. Damit er nicht allein in den Straßen unterwegs war, legte er sich einen Skye Bobby zu. Gemeinsam gingen sie durch dick und dünn, waren ein unzertrenntliches Paar. Als John starb, weigerte sich der Hund, das Grab seines Herrchens zu verlassen – 14 Jahre lang, bis er selbst starb. Der Hund bekam ein eigenes Grab, in Gedenken an seine Treue. Eine Bronzestatue steht vor dem Eingang zum Friedhof. Man sagt, wenn man die Nase berührt, hat man Glück. Ich rubbelte kräftig….

Wir besuchten auf dem Weg zurück die Royal Mile bergauf noch einen weiteren Friedhof, den „Canongate Kirkyard“, auf dem David Riccio heute begraben liegt, nachdem er aus dem Palast verlegt wurde. Ebenfalls dort zu finden sind Gräber von berühmten Dichtern wie Robert Fergusson aus Edinburgh. Hier finden wir auch unsere „Clarinda“ (Clarinda´s Tearoom). Sie hieß mit bürgerlichem Namen Agnes Maclehose. Nachdem sie sich von ihrem Ehemann getrennt hatte, hielt sie regelmäßigen Kontakt zu ihrem Freund Robert Burns, allerdings unter dem Namen „Clarinda“. Burns schrieb mehrere Gedichte über sie.

Tja und so schnell gehen 5 Tage vorbei. Einige Worte zum Wetter: es ist vielleicht auf den Fotos nicht erkennbar, aber das Wetter ändert sich an einem Tag fast ständlich. Es ist jedoch nicht so nervig wie in Deutschland. Wenn wir Wolken und Regen haben, dann den ganzen Tag und eventuell kommt die Sonne gegen 6 Uhr heraus. In Edinburgh (und ganz Schottland) steht man bei Sonnenschein auf, kommt aus der Dusche und es regnet wie aus Eimern, wenn man gefrühstückt hat, scheint die Sonne, während des Spaziergangs kommt urplötzlich ein Regenschauer und ehe man den Schirm aus dem Rucksack gekramt hat, ist es auch schon wieder vorbei. Daher ist Zwiebeltechnik beim Ankleiden zu empfehlen plus eine Regenjacke. Die muss man immer bei der Hand haben. Ein Schirm nutzt oft nicht viel, da die Böeen so stark sind, dass dieser kaputt geht. Ende Mai ist schönes Wetter, Temperaturen tagsüber maximal 25 Grad, meist jedoch durch den Wind nur 15 Grad. Ich war froh, meine Winterjacke und Schal gehabt zu haben. Mutti hat mich vorher noch ausgelacht. Ich empfehle eine Mütze, Handschuhe, Schal und eine Outdoorjacke, selbst für Ende Mai!

Ja nun bin ich auf den Geschmack gekommen. Ich möchte auf alle Fälle noch einmal nach Schottland und das Hinterland und somit das wahre Schottland sehen. Ich habe auch schon eine Webseite gefunden, die genau das bietet: Foto-Wandertouren durch Schottland, auf die Insel Skye! Und dafür nehme ich Flüge und Wind und Übelkeit und Nässe in Kauf. Ich kann mir ja eine neue Jacke kaufen….

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