Freiwilligenarbeit Utah, USA

Donnerstag, 23.07.2015
Endlich ist es soweit: lang habe ich auf diesen Tag gewartet und dann rückte die Zeit immer näher. Und nun? Nun habe ich keine Lust mehr! Das kenne ich aber. Da wartet man ein Jahr lang auf seinen Urlaub und ist es dann soweit, hat man keine Lust mehr. Wie auch immer. Heute gibt es kein Zurück und meine Abenteuerreise geht los, auf die ich mich 7 Monate lang vorbereitet habe!
Im letzten Jahr habe ich viel darüber nachgedacht, wohin mein Weg gehen würde: beruflich und privat. Die Tatsache, dass in diesem Jahr ein besonderer Geburtstag ansteht, macht mir ziemlich zu schaffen. Viele Dinge, die man sich als „junger Mensch“ vorstellt zu dieser Zeit erreicht zu haben, sind nicht eingetreten. Da zweifelt man an sich selbst. Sehr lang kämpfte ich mit Vorwürfen, mein Leben an mir vorbeiziehen zu lassen etc. Somit kam ich auf die Idee, allein eine Reise anzutreten, um etwas zu tun, was mir Spaß macht; um abzuschalten, auf andere Gedanken zu kommen und vielleicht so auf völlig neue Ideen und Sichtweisen zu kommen. Ich beschloss, Freiwilligenarbeit in Amerika zu leisten!
Lange suchte ich im Internet und war in Kontakt zu diversen Organisationen. In Frage kamen die „Buffalo Field Campaign“, „Global Volunteer“ im Indianerreservat in Montana, „Wolf-Studien“ im Yellowstone NP oder „Wilderness Volunteer“. Da Teilnahmepreise extrem schwankten, entschied ich mich für Letzteres. Aus einer Vielzahl von Programmen in vielen Nationalparks entschied ich mich für Moab, Utah. Hier war ich noch nie. Ich bin zwar vor langer Zeit einmal durch diese Gegend gefahren, aber ich kannte weder die „Manti-La Sal Berge“, noch Moab. Unsere Aufgabe würde sein, einen neuen Wanderweg auf den „Gold Knob Mountain“ anzulegen. Ich hatte keine Ahnung, was auf mich zu kam, aber es klang spannend. Nach erfolgreicher Bewerbung musste nun nur noch der Urlaub genehmigt werden. Das war nicht leicht und auch hier hatte ich unerwartete Probleme und ärgerte mich über Chef und Kollegen. Als es dann endlich doch genehmigt war, sah es so aus, als würde die Reise aufgrund zu geringer Teilnehmerzahl nicht stattfinden. Es war ein monatelanges Zittern und Hin und Her. Aber zum Glück ging am Ende alles gut. Viel Geld wurde für Ausrüstung und dergleichen ausgegeben. Heute nun ist Dienstag, der 23. Juli 2015 und meine Reise beginnt.
Ich übernachtete bei meiner Mutter. So konnten wir den Tag gemeinsam verbringen. Sie ist seit Monaten aufgeregt und hat Angst. Seit dem Jahr 2000 bin ich erstmals wieder allein auf Reisen.
Wir standen um 5.30 Uhr auf und frühstückten. In der Nacht hat es gewittert. Seit Tagen, ja Wochen, haben wir sehr heißes und schwüles Wetter, was uns allen zu schaffen macht. Ich versuchte, meine Mutter zu beruhigen. Vorher hatte ich extra eine USA Simkarte für das Handy gekauft, sodass ich von dort günstig nach Deutschland telefonieren konnte.
Halb 7 kam der Taxifahrer, der mich zum Flughafen Berlin Tegel fuhr. Um 7.40 Uhr waren wir da. Ich suchte mein Gate, checkte ein, gab meinen Koffer ab. Mein Koffer wog 17 kg. Der Großteil besteht aus Platzfressern wie Schlafsack, Wanderschuhe, Isomatte, Trinkflaschen. Die Sicherheitskontrolle war seltsamerweise unspektakulär. Mit meinem Rucksack (7kg), in dem sich ausschließlich Technik wie Kamera, Ladekabel etc. befanden, wartete ich auf den Abflug nach Paris.

Während ich im Flieger saß, beobachtete ich den Transport der Koffer. Auch meiner wurde war nun unterwegs mit mir nach Paris. Um 10.15 Uhr hoben wir ab. Die Sonne scheint, es gibt viele schöne Gut-Wetter-Wolken und es ist sehr warm. Ich sitze in der letzten Reihe 24F am Fenster. Ein Platz ist frei in meiner Reihe. Ich höre Musik: „Delerium – Karma“, eine CD, die ich zum ersten Mal 1997 in Bozeman/Montana gehört habe. Es erinnert mich an meine Zeit als Austauschstudentin, die ich auch allein verbrachte. Nun sind fast 20 Jahre vergangen, ich bin wieder allein unterwegs und hoffe auf Ruhe, wunderschöne neue Erlebnisse und Abenteuer.

Die Landung war alles andere als angenehm. Es wurde plötzlich sehr holprig und es schwankte. Mir wurde gleich sehr schlecht, obwohl ich mich zwang, ruhig zu bleiben. Ich habe Magenprobleme und so etwas wie Flugangst. Wenn es Turbulenzen gibt, geht es mir elend… Ich nahm einen Reisekaugummi und zückte schon die braune Tüte, brauchte sie aber zum Glück nicht. Da ich in der letzten Reihe saß und die hintere Tür nicht geöffnet wurde, war ich auch fast die Letzte, die aus dem Flugzeug stieg. Ich beeilte mich, da ich nur eine Stunde vierzig Minuten zwischen dem nächsten Flug hatte. Ich fand zunächst kein Hinweisschild zum Gate 2E, was mich nervös machte. Dann aber sah ich den Wegweiser. Ich passierte die Sicherheitskontrollen und nach ca. 15 Minuten war ich am Gate. Ich rief kurz Mutti an, dass ich gelandet war, dann reichte die Zeit noch für eine Rosinenschnecke. Doch als ich hungrig in die Teigware biss, kommunizierten meine Augen nicht mit meinem Geschmack: das Ding schmeckte so gar nicht nach Rosine oder Ähnlichem. Mein Mund war taub vom Reisekaugummi, man hätte mir alles verkaufen und es eine Rosinenschnecke nennen können. Ich hatte keinen Geschmack… Konnte es schlimmer werden, als keine Rosinenschnecke zu schmecken?

Um 14.01 Uhr flogen wir Richtung Chicago los. Neben mir saß eine Frau aus Marokko. Wir füllten den Zoll-Schein aus, ich wußte die Adresse vom Hotel nicht aus dem Kopf und ließ es erst mal frei. – Soeben gab es Käse-Cracker. Auch die schmeckten komisch, aber ich hatte außer dem Frühstück um 6 Uhr und der angeblichen Rosinenschnecke nichts gegessen. Daher – rein mit dem Zeug. Ein Vorgeschmack auf Amerika…

15.01 Uhr und die Fernseher funktionieren, endlich! Ich entschied mich für den ersten Film „The second best Marigold Hotel, Teil2“. Schon nach den ersten Minuten lachte ich mich über die Situation mit dem Teebeutel kaputt. Der zweite Film war ein Drama und wie sich später herausstellte auch noch von Nikolas Sparks…Oh je „The longest Ride“. Es war eine Schnulze! Der dritte Film war eine Art Krimi: „Focus“. Der Flug war ruhig, nur ein paar einzelne kleine Turbulenzen. Es ging mir aber gut. Als wir den Sinkflug begannen, konnte ich durch die etwas diesige Luft die tolle Skyline von Chicago sehen und auch Fotos machen.

Nach deutscher Zeit landeten wir um 22.35 Uhr. In Chicago war es halb 4 am Nachmittag. Die Schlangen bei der Einreise waren enorm. Ich hatte keine Lust zu warten und lief zur Reihe „Wiederholte ESTA Einreisende und US Bürger“, denn dort standen nur wenige Menschen. Ich wunderte mich, dass es keine Schalter gab, sondern nur Automaten. Eine einzige menschliche Person gab es, die mich zu den Automaten wies, bei denen man sich selbst mit Pass und Fingerabdruck registrierte. Das war seltsam. Zum Schluss musste man ein Foto, quasi ein Selfie, machen, dann kam ein Beleg raus. Diesen musste ich bei der nächsten Passkontrolle abgeben. Da ich nicht richtig wußte, wie ich mich vor die Kamera positionieren musste und wann die Aufnahme geschah, war nur der halbe Kopf drauf und mein Gesicht glich dem eines Verbrechers. Ernste Miene, skeptischer Blick. Wieder musste ich in einer Schlange warten, bis ich mein Selfie abgeben durfte. Ich lief danach zur Gepäckausgabe und nach langem Warten kam endlich mein Koffer. Ich ging nun hinaus und steckte meine USA Sim Karte in mein Handy. Nach mehreren Anlaufschwierigkeiten konnte ich nun endlich meine Mutter zu Hause anrufen. Es war inzwischen halb 1 in der Nacht in Deutschland. Nachdem Mutti beruhigt war, rief ich im Hotel „Super 8 Elk Grove“ an, um den Zubringer zu bestellen. Nach 14 Minuten war er da. Das Hotel ist gut genug für kurze Aufenthalte, ansonsten eher alt.

Das Zimmer, 125, ist gerade ausreichend. Ich bin froh, dass ich nur 2 Nächte hier bin. Ich bestellte mir nach dem Einchecken noch den Shuttle Bus für den nächsten Tag. Dann schrieb ich eine E-Mail an Freunde und Nachbarn, dass ich angekommen war. Jetzt ist es 1.19 Uhr in Deutschland. Ich werde jetzt die Uhr auf amerikanische Zeit umstellen. Es ist halb 7 am Abend. Jetzt wartet die Dusche und noch etwas fernsehen. Der erste Tag ist geschafft!

Freitag, 24.07.2015

Ich ging um 20 Uhr ins Bett, im TV kam nur Blödsinn. Ich war auch inzwischen hundemüde. Das erste Mal wachte ich um 2.17 Uhr auf. Der blöde Kühlschrank im Zimmer störte mich. Ich steckte meine Ohrenstöpsel ein und schlief wieder. Bis 4 Uhr. Da war ich bis halb 6 wach. Ich stellte den Wecker, mein Handy, von 8 auf 7.30 Uhr. In dieser Zeit bin ich noch mal richtig fest eingeschlafen und wachte 7.49 Uhr auf! Oh Gott, das war doch schon so spät! Um 9 Uhr wurde ich vom Shuttle abgeholt. Ich muss den Wecker nicht gehört haben! Schnell stand ich auf, räumte meine Sachen zusammen. Um 8.15 Uhr ging ich zum Frühstück. Der Raum war viel zu klein, alles war voll.

Ich setzte mich zu anderen Gästen an den Tisch. Die Klimaanlage pustete volles Rohr eisige Luft. Da ich aber dort saß, schaltete ich sie kurzerhand aus. Es gab nur weiße Bagels, Cornflakes, Oatmeal und Touristen belagerten die Waffelmaschine. Ich füllte meine zwei Wasserflaschen mit O-Saft und Wasser und schmierte mir 2 Bagels für unterwegs. Dann sah ich im Internet nach, in welches Shopping-Center ich fahre. Mit der U-Bahn eine Station und mit einem kostenlosen Bus zum „Chicago Outlet“ am Flughafen oder mit dem Bus 30 Minuten in das größte Shopping Center „Woodbridge“. Ich entschied mich für die Flughafenvariante.
Der Shuttle fuhr uns zum Flughafen. Von dort musste ich ein Ticket für 5 Dollar für die CTA kaufen. Ich fuhr nur eine Station zur „Rosemont Station“, dort stieg ich in einen kostenlosen Bus zur Shopping Mall.

Genau um 10 Uhr waren wir da. Ich habe einige Sachen anprobiert, jedoch noch nichts gekauft. Um 12 Uhr rief ich in Moab an, um zu erfahren, ob meine gebuchten Freizeit-Trips stattfinden würden. Das war nämlich noch unklar. Ich hatte zwei Touren in den Arches und Canyonlands NP gebucht. Man sagte, man rufe mich zurück, da man nicht am Computer sei. Nun warte ich schon 20 Minuten! Inzwischen esse ich meinen Bagel!

Sie rief nie zurück. Ich kaufte inzwischen einige Dinge. Dann klärte ich die Sache mit den Trips. Leider bin ich noch immer die einzige Teilnehmerin für den Canyonlands Tagesausflug. Also einigten wir uns, dass ich am 1.8. vorbei kommen würde und wir dann vor Ort sehen, ob die Wanderung stattfindet.

Um 18.30 Uhr fuhr ich mit Bus und Bahn zurück. Im Hotel versuchte ich, mich online einzuchecken für den morgigen Flug. Aber es ging nicht. Ich hatte diesen Flug von Chicago nach Grand Junction über Expedia gebucht. Also bestellte ich den Shuttle für morgen 9 Uhr. Jetzt ist es 22.36 Uhr. Ich werde duschen, den Koffer packe ich morgen.

Samstag, 25.07.2015
Wie in der Nacht zuvor, wachte ich halb 1 auf. Ich schlief wieder ein, aber genau um 4 Uhr wachte ich wieder auf. Danach ging nichts mehr. Ich war wach. Ab 5.15 Uhr flogen die ersten Flugzeuge, die Einflugschneise lag genau über dem Hotel und es war laut. Ich stand auf, als der Service die Hotelflure saugte.

Halb 8 war ich beim Frühstück. Vorsichtshalber nahm ich mir ein Stück Zimtschnecke mit. Ich weiß ja nicht, wann ich wieder etwas zu essen bekomme. Jetzt sitze ich am Tisch vor dem Hotel und warte auf den Shuttle Bus, der mich in 9 Minuten abholt.

Er kam etwas später. Das Auto war voll mit einem Wirrwarr an lauten Kindern. Am Flughafen wollte ich mich am Kiosk einchecken, es funktionierte aber wieder nicht. Eine Servicemitarbeiterin schickte mich zu „United Airlines“, ich war am „American Airlines“ Schalter. Aber auch dort ging es nicht. Am Ende musste ich mit einem richtigen Menschen reden, der mich dann eincheckte. Tja, alles wird elektronisch geregelt und wenn mal etwas nicht klappt, sieht mal alt aus. Ich bin mir seit unserem Edinburgh Urlaub sicher, es liegt daran, dass ich über eine Flugsuchmaschine gebucht habe. Wenn ich direkt bei der Fluggesellschaft buche, gibt es diese Probleme nicht. Für meinen Koffer musste ich 25 Dollar zahlen, das ist bei amerikanischen Inlandsflügen so. Für jedes aufzugebende Gepäckstück zahlt man 25 Dollar. Ich ging zur Passkontrolle bzw. Boarding Pass- Kontrolle und durch die Sicherheitskontrolle. Wieder musste ich durch den Ganzkörperscanner! Am Gate waren ein paar weiß gekleidete uniformierte junge Menschen. Die Eltern verabschiedeten sich, es flossen Tränen. Wahrscheinlich US Navy Kadetten.

Mit Verspätung starteten wir zum Flug nach Phoenix, Arizona. Ich tauschte Plätze, damit ein Vater mit seiner kleinen Tochter zusammensitzen konnte. Nun saß ich in der Mitte zwischen zwei Frauen. Sie waren sehr lustig. Die eine Frau fragte mich, ob es normal sei, dass von „oben Nebel käme“. Es war kalte Luft, das war normal, wir lachten. Sie sagte, sie fliege seit 10 Jahren und habe das noch nie bemerkt. Als wir starteten, war die Turbine extrem laut. Wir saßen genau auf dem Flügel und der Turbine. Wieder sahen wir uns an und fragten, ob es normal sei, dass „das so laut sei“. Wieder lachten wir, es hörte irgendwann nach dem Start auf. Der Flug verlief ruhig.

Wir landeten bereits eine halbe Stunde früher, durften aber noch nicht zum Gate fahren. Daher standen wir herum. Der Flughafen in Phoenix ist sehr klein. Ich hoffte, etwas zu essen zu finden, denn im Flieger mussten wir für Essen zahlen. Ich fand mein Gate schnell und aß bei „Wendy´s“ Chicken Combo mit Pommes. Toll. Hier in der Wüste hat man sicher nicht das Angebot wie in Chicago, schon gar nicht gesundheitsbewußt. Es ist jetzt 13.25 Uhr Ortszeit, 2 Stunden in der Zeitzone zurück. Also wird es heute wirklich spät. Um 15 Uhr soll der Flieger nach Colorado starten.

Bei der Ansage vor dem Check in gaben sie bekannt, dass der Flieger überbucht sei und sie baten um Freiwillige, die später fliegen würden. Dafür würde man dann einen Gutschein bekommen bla bla. Es dauerte ewig, bis wir ins Flugzeug durften. Die Maschine war klein, es passten 50 Passagiere hinein. Ich wollte nicht am Notausgang sitzen und tauschte mit einem Mann. Nun saß ich in der letzten Reihe – 12 – am Gang neben einem Mann aus Alaska. Schon allein sein Äußeres war prächtig: Bart, struppige Haare, ein „wilder Kerl“. Eben wie aus Alaska. Der war die Ruhe selbst und schlief schon, da war das Flugzeug noch nicht mal gestartet.
Bereits kurz nach dem Start merkte ich, dass es ein unruhiger Flug werden würde. Der Start war Luftloch an Luftloch. Ich nahm sofort einen Reisekaugummi. Außerdem hatte ich heute leichte Kreislaufprobleme. Ich kämpfte den ganzen Flug über, nahm noch zusätzlich Magentropfen. Aber auch die Landung war sehr unruhig, sodass mir so richtig schlecht war. Als wir landeten, wachte das Urgestein neben mir auf und sagte ungläubig „Sind wir schon da? Ging ja schnell. Alles in Ordnung mit dir? Du siehst blass aus.“

Endlich am Boden in Grand Junction waren es zwei Stunden Zeitverschiebung seit Chicago. Ein Hin und Her, ich war ganz durcheinander, wie spät es nun war. Als ich ankam, musste ich die Uhr wieder eine Stunde vorstellen. Ich war erst mal froh, endlich da zu sein!

Der Flughafen war mini, wirklich mini. Vielleicht sogar kleiner als Bozeman. Es erinnerte mich sofort an Montana, Berge überall, Souvenirladen mit Bären und Elchen. Am Gepäckband kam dann auch mein Koffer, zum Glück! Ich ging zum Mietwagenstand von Enterprise. Leider musste ich Enterprise wählen, da Moab nur diese eine Station hatte. Ich hatte in Deutschland einen Kleinwagen gebucht. Papiere wurden unterzeichnet, ich bekam den Schlüssel und dann ging ich zum Ausgang. Doch dort musste ich erst einmal stehen bleiben. Dieser Blick war fantastisch! Vom Flughafen direkter Blick auf die Berge, das Colorado Plateau. Wunderschön! Die Sonne stand tief und hauchte die Berge in einen goldenen Schimmer. Alle Sorgen und Magenprobleme waren weg, ich war glücklich!

Ich lief nun zum erwarteten Kleinwagen. Doch was stand da?! Ich sah auf den Schlüssel, auf die Parkplatznummer, zurück zum Auto, wieder auf die Parkplatznummer. Oh Gott, es war ein Riesenauto! Ein SUV Chevi, eine Familienkutsche! Sofort hatte ich Bedenken, ob man auch nur den Kleinwagen vom Konto abzieht und nicht den Preis für dieses Monster! Ich hievte den Koffer in den riesigen Kofferraum, kramte mein Navi raus. Es war sehr heiß, ich schwitzte! Da das Auto in der Sonne stand, konnte man das Lenkrad kaum anfassen. Nun ging es los, der Anschluss des deutschen Navigationsgerätes an das US Auto. Ich hatte mir vorher in Deutschland eine USA Karte gekauft. Nach mehreren Versuchen den Satelliten zu finden, gab ich das Ziel „Walmart“ ein. Dort wollte ich erst mal hin, um Wasser zu kaufen. Nach ca. 15 Minuten fuhr ich im Schneckentempo vom Flughafenparkplatz in Richtung „City“.

Es war wirklich nicht schwer, alles war sehr übersichtlich. Nur das Auto war eine Technikmaschine, mit Kamera für Rückwärts-Ausparken und allerhand Schnickschnack. Ich fuhr langsam, um mir alles anzusehen und die Gegend zu genießen. Nach ca. 10 Minuten kam ich am Walmart an. Ich musste direkt über einen großen Highway fahren, aber das Navi führte mich super. Im Walmart suchte ich nach „Campsoap“, biologisch abbaubare Seife. Leider war nichts da. Dafür nahm ich „Camper´s Toilet Paper“ mit, biologisch abbaubar. Ich nahm noch Wasser und genoss das Schlendern durch den großen amerikanischen Supermarkt. Da wir einen Essensbehälter für unser Lunch mitbringen mussten, kaufte ich noch eine Lunchbox und ein paar Powerriegel. Plötzlich merkte ich, dass es schon 18.35 Uhr war! Die Zeit verging wie im Flug! Ich entschied, nicht den Scenic Byway nach Moab zu fahren, sondern den Highway, das war schneller. Ich hatte noch 2 Stunden Fahrt vor mir…

Es war eine gute Entscheidung, denn auch der Highway I-70W (Grand Army of the Repbublic Hwy) war spektakulär. Ich glaube, es war eine der schönsten Fahrten in meinem Leben. Die Sonne ging unter, der Himmel war blau, die Natur färbte sich golden, es war wenig Betrieb auf der Straße. Wunderschön. Ich allein unterwegs „on the road“. Was für ein Gefühl. Mehrfach konnte ich es gar nicht glauben und sprach laut „Ist das schön“, was mir dann peinlich war. Aber niemand hörte es. Ich versuchte, mit der kleinen Digitalkamera Fotos zu machen, um die Schönheit einzufangen. Dann sah ich ein Hinweisschild zu einem Aussichtspunkt. Ich hielt an. Niemand war da, ich lief den kleinen Weg hinauf zu einem Hügel. Dort oben hatte man einen weiten Blick in die Landschaft und zum Highway.

Inzwischen wurden die Farben der untergehenden Sonne intensiver und das Gold färbte sich langsam in warmes Orange-Rot. Toll! Es war die absolute Stille, nur ein paar Pikas (Ochotona oder Pfeifhase) und Vögel gaben Laute von sich.
Dann sah ich ein Hinweisschild nach Cisco, der Geisterstadt. Ich hatte in Erinnerung, dort langzukommen, auf dem Weg nach Moab. Ich war verunsichert, da das Navi mich vorbei führte. Dann kam die Abfahrt zum Highway 191/163 und der Weg führte hinein in ein Wunderland aus roten Sandsteinfelsen.

Immer tiefer grub sich die Straße und wurde enger, hinein in das Tal, in das sich Moab bettet. Inzwischen war die Sonne fast untergegangen und das Farbspiel des Sonnenuntergangs auf die roten Felsen war spektakulär! Alles war wie im Märchen, rot, braun, leuchtend golden. Ich konnte leider nicht langsam fahren, weil die Straße hier einspurig war. Es war inzwischen 20.30 Uhr und es war noch immer viel Verkehr! Ich verpasste das Ortseingangsschild. Plötzlich sah ich mein Motel links der Straße am Ortseingang, das „Inca Inn“.

Ich checkte ein, wurde gefragt, ob ich einen Fön benötige und man wies mich darauf hin, dass das Zimmer sehr warm sei, da man vergessen hätte, die Klimaanlage einzuschalten. In Moab war es noch immer sehr warm, ja tropisch heiß. Das Zimmer entsprechend! Ich packte aus, duschte und ging um 22 Uhr Ortszeit ins Bett. Eigentlich wollte ich die Klimaanlagen ausgeschaltet lassen wegen des Lärms, doch die Hitze war unerträglich. Also nahm ich meine Ohrstöpsel, schaltete die Klimaanlage ein und schlief. Auf den folgenden Fotos sieht man mein Zimmer, die Nummer 13.

Sonntag, 26.07.2015

Um 6 Uhr wachte ich auf. Es war recht kühl geworden im Zimmer, sodass ich die Klimaanlage ausschaltete. Dann entschied ich aufzustehen. Ich wollte den Koffer umpacken, sodass ich im Camp alles schneller finden würde. Heute werde ich schon die erste Nacht im Zelt verbringen…Es dauerte recht lang, bis ich alles verstaut hatte. Um 7 Uhr ging ich zum Frühstück. Ich erschrak, denn vor meiner Tür auf dem Abtreter saß ein Tier. Ein grünes Ding, das die Fühler gen Himmel gestreckt hat. Ich mag ja diese Krabbeltiere nicht und überlegte, wie ich mit dem Koffer über das Ding steigen konnte. Ich wollte es ja nicht töten. Also fotografierte ich es erst mal.

Es ist eine Gottesanbeterin! Sowas habe ich noch nie gesehen und jetzt sitzt sie und „betet“ vor meiner Tür! Ich stieg also ganz vorsichtig über die Türschwelle. Der Frühstücksraum war sehr klein und er war schon voll! Eigenartige französische Familien saßen zu 4. an den kleinen Tischen und sprachen lautstark in ihrer Landessprache (eventuell Kanadier?). Es gab Toast, Cornflakes, Mini-Muffins, hartgekochtes Ei. Mehr nicht. Es war enttäuschend. Ich aß also von allem etwas. Jetzt ist es 8.09 Uhr. Ich werde auschecken, alles im Auto verstauen und den Tag beginnen!

Sie betete immer noch. Also stieg ich wieder sanft mit dem schweren Koffer, den ich trug und nicht rollte, über die Türschwelle. Was man nicht alles tut, um ein Getier nicht bei der Morgenandacht zu stören… Zunächst verstaute ich alles im großen Riesen-Van. Der abschließende Kontrollblick auf die Fußmatte bestätigte, die Gottesanbeterin lebte noch und betete. Nun fuhr ich zurück zum Ortseingang Moab, da ich das Schild fotografieren wollte.

Es war sehr warm, die Sonne schien schon, aber die Wolken sahen sehr fotogen aus. Weiter ging´s zum ersten Souvenirladen: „Canyonlands by Night and Day“. Dieser Laden wurde im Internet empfohlen, also ging ich rein. Ich kaufte Kühlschrankmagneten, Postkarten und dergleichen. Ich wußte ja nicht, ob und wo ich noch welche bekäme. Bevor ich zum Auto zurückging, lief ich noch zum Colorado Fluss. Das Licht war schön und der Flusslauf sah idyllisch aus.

In Deutschland hatte ich mir ein paar Läden herausgesucht, in die ich gehen wollte. So auch ein Geschäft, in dem man gebrauchte Outdoor-Sachen kaufen konnte. Ich wollte eine Regenjacke kaufen, doch es gab nur Neue und die waren eigentlich wie die, die ich schon hatte. Gegenüber lag ein Drogerieladen. Dort stöberte ich, aber ich fand immer noch keine Camp Soap. Ich brauchte aber etwas zum Waschen auf dem Zeltplatz.

Ich fuhr weiter zum größten und bekanntesten Outdoor-Laden in Moab: „Gear Heads“. Dort findet man alles, was das Herz begehrt. Auch Camp Soap und Einmal-WC-Säcke. Ich kaufte 6 Stück nach einer Beratung. Ich wußte nicht, was ein „Toilet Kit“ ist und man sagte mir, man denkt, es sei dieses. Ein Sack gefüllt mit blauer Chemikalie. Man kann also im Busch sein Geschäft verrichten, gut zielen, und das Ding dann entsorgen. Nun ja, was muss, das muss. Ich schwitzte, es war so heiß in Moab, ca. 38 Grad. Ich hatte noch 1,5 Stunden, bis ich von Roger und Peggy (danke, dass ich eure Namen drucken darf) abgeholt wurde. Ich entschied, ein Stück entlang des Scenic Byways „Potash Road“ zu fahren. Diese Straße führt aus Moab heraus entlang des Colorado und gelangt irgendwann zur „Pottasche-Mine“. Ich fuhr nur ca. 15 Minuten. Das reichte aber aus, denn ich war mal wieder überwältigt von den roten Sandsteinen, die steil und hoch in den Himmel ragten. Ich suchte nach den Petroglyphen und Piktogrammen der Ureinwohner und machte ein paar Fotos.

Diese Landschaft war sensationell! Wieder war ich fast allein auf der Straße unterwegs. Ich musste aber umkehren. Die Zeit lief davon. Ich wollte noch etwas zu Mittag essen und fuhr zu „Milt´s Stop and Eat“. Das ist eine Art Imbiss, alles frisch zubereitet. Ich bestellte einen Avocado Taco. Es war viel Betrieb und ich musste lange warten. Dann war es plötzlich halb 1, ich musste los. Um 1 traf ich mich am Enterprise Schalter in Moab mit Peggy und Roger. Sie sind auch Teilnehmer des Freiwilligenprogramms und haben sich als einzige bereit erklärt, mich von Moab mit in die Berge zu nehmen.
Ich fuhr also los, ohne zu essen und suchte die Enterprise Station. Ich fand sie nicht, da mein Navi die Straße nicht fand. Dann rief Roger an und sagte, er sei da. Ich erklärte ihm, ich habe mich verfahren und sei gleich da. Kurz darauf fragte ich jemanden an einer Tankstelle, denn ich musste ja das Auto voll tanken, und war dann nach 2 Minuten da. Ich packte alle Sachen zusammen, suchte im Auto ab, dass ich auch nichts vergessen hatte. Dann stand Peggy vor mir. Wir begrüßten uns und ich packte meinen Koffer und den Rucksack in das bereits vollgestopfte Auto. Sie schienen sehr nett zu sein. Roger hat eine sehr ruhige angenehme Art und Peggy redet gleich aktiv mit mir, was mir gut gefällt. Ich aß im Auto meinen Taco. Mir war auch nicht schlecht. Ich warnte sie vorher, dass mir im Auto manchmal schlecht wird, und Roger fuhr sehr ruhig. Zunächst erzählte ich, woher ich von diesem Programm erfahren hatte und was ich so tue in Deutschland. Sie wollten Vieles wissen und waren sehr interessiert. Ich fühlte mich wohl bei ihnen! Auf der Fahrt hinauf in die Berge hielten wir ein paar Mal an, weil die Aussicht so toll war!

Dann kamen wir zur Abbiegung zum „Warner Lake“, ein unscheinbarer Weg, unbefestigt. Ein Warnschild prangerte am Zaun „Vorsicht Bären“… Gegen halb 3 erreichten wir den Campingplatz „Warner Lake Campground“. Wir rätselten, welche Zeltnummern wir nutzen konnten, wir konnten die Schrift nicht ganz lesen… Also fuhren wir zunächst eine Runde um den Zeltplatz und sahen uns nach den leeren Einheiten um. Dann entschieden wir, die Nummer 8 zu nehmen.

Sie war in der Nähe der WCs, aber doch weit genug weg und wir hatten einen Wasserhahn. Apropos WC: ich habe auch diese Tour bewußt gewählt, da es überhaupt WC´s gab! Kleine Hütten mit einem Plumpsklo. Es war OK.

Der beste Zeltplatz, Nummer 16, war schon belegt: von unseren Teamleitern. Dort lag auch ein großes Zelt, bereit, aufgebaut zu werden. Noch war niemand da. Wir gingen zu unserer Zelteinheit und bauten erst einmal die Zelte auf. Peggy und Richard gaben mir den eigentlichen Zeltplatz und campten selbst dann neben ihrem Auto. Es gefiel mir irgendwie nicht, so abgeschieden und allein mein Zelt dort zu sehen, obwohl die beiden nur 5 Meter von mir entfernt waren. Peggy und Richard haben sich im Vorfeld bereit erklärt, mir eines ihrer Zelte mitzubringen und zu leihen. Der Aufbau war sehr leicht.

Dann kamen schon die ersten Teilnehmer und wir stellten uns kurz vor. Als wir alles provisorisch verstaut hatten, liefen wir Drei eine kleine Runde um den Zeltplatz bis zur Abbiegung zum „Miner´s Basin Foot Trail“. Dort war eine Tafel, die wir uns ansahen.Hier würde also täglich unsere Wanderung zum Arbeitsgebiet starten…Der Weg sah sehr verwildert aus, man sah den eigentlichen Pfad kaum.
Der Zeltplatz liegt auf 2.773 Meter Höhe. Das machte mir etwas Schwierigkeiten, mir war leicht schwindelig. Um 16 Uhr waren dann alle Teilnehmer eingetroffen und wir sammelten uns am Platz 16. Oh Gott, die waren alle alt!!! Ich dachte, ich sei im falschen Film. Was um Himmels Willen wollen die Senioren hier? Ich machte mir Sorgen. Roger und Peggy waren pensioniert, aber erst seit ein paar Monaten. Ich kannte ihr Alter nicht, noch nicht. Aber vor allem Peggy sah noch jung aus. Bei ihr wunderte mich, dass sie überhaupt schon pensioniert ist. Nur Ruth und Richard, unsere Leiter, arbeiteten noch. Nachdem wir uns alle kurz vorgestellt hatten und ich mit meiner Herkunft für Staunen sorgte, wurde über Sicherheit auf dem Zeltplatz und später am Arbeitsplatz gesprochen. Uns wurde erklärt, dass jeder zwei Mal zum Koch-und Spüldienst eingeteilt wird. Wir wurden gebeten, uns in die Liste einzuschreiben (wer an welchem Tag kocht). Ich trug mich gleich für heute ein, quasi freiwillig. Ich dachte, dann habe ich das weg.
Wir bauten noch das Zelt auf, denn das würde stehen bleiben und Campingstühle etc. beherbergen. Nach den ersten Einweisungen lief ich nun endlich zum „Warner Lake“. Man konnte ihn vom Platz Nr. 16 aus sehen, ebenso wie den wunderschönen „Haystack Mountain“. Im Internet hatte ich gesehen, wie der See aussieht, doch in Natur war es noch viel schöner. Die Sonne ging unter, der Berg spiegelte sich im See, es war still, der Wind wehte stark. Ich verweilte ein bisschen dort und genoss diesen einzigartigen Blick.
Leider musste ich aber schon wieder los, denn ich hatte ja Kochdienst. Halb 6 traf ich mich mit unserer Teamleiterin. Sie zeigte mir den Plan mit allen Rezepten nach Tagen geordnet. Heute sollte es Pasta mit getrockneten Tomaten und Artischockenherzen geben, dazu Salatdressing und Knoblauchbrot. Häh? Salatdressing an Pasta? Aber mal sehen. Wie sind ja auf einem Zeltplatz, da ist alles ein wenig anders.

Ich röstete das Brot in einer Pfanne. Es wurde langsam richtig unangenehm kalt. Ich holte mir noch meine Fleece Jacke. Ab und zu tröpfelte es. Der starke Wind sorgte für die Geräuschkulisse. Plötzlich tauchten Rehe auf und kamen ganz dicht an unsere Zelteinheit heran. Sie schienen Menschen gewöhnt zu sein und ließen sich nicht stören. Es war süß, wie sie zwischen der Hängematte und der Wiese hin und her liefen. Die Pasta schmeckte ganz gut, doch mein Geschmack war es nicht, was die Salatsoße anging. Danach wuschen Roger, Peggy und ich ab. Diese Prozedur ging so: die erste Wanne wurde fast voll mit kaltem Wasser gefüllt. Die zweite Wanne halb voll mit lauwarmem Wasser, die dritte Wanne ein Drittel und kaltes Wasser. In die erste Wanne kam etwas Camp Soap, die für alles genutzt wurde wie man merkt, in die Zweite klares Wasser, in die Dritte kam ein wenig Bleiche. Zuerst reinigten wir alles Geschirr mit Küchenrollen. Dann wuschen wir in der ersten Wanne den Schmutz ab. Roger hatte eine kleine Tasse, mit der er dann das saubere Wasser aus der zweiten Wanne über das Geschirr in die erste Wanne schüttete. Somit sollte vermieden werden, dass das Wasser der zweiten Wanne beschmutzt wird. In die dritte Wanne legten wir die Utensilien für 1 Minute, quasi als Desinfektion. Das saubere Geschirr kam dann in das Zelt auf den Boden (auf eine Plane gelegt). Dort trocknete es bis zur nächsten Mahlzeit.

Nach dem Essen kamen plötzlich drei Männer auf uns zu. Sie sahen aus wie Axtmörder. Alle mit Vollbart und Tarnkleidung. Das muss die US Forest Crew sein. Es war wirklich im ersten Moment erschreckend, eine seltsame Ruhe stellte sich ein. Doch beim näheren Hinsehen waren es junge gutaussehende Männer 😉 Der erste stellte sich vor.. Er war quasi der Teamleiter der Forest Crew. Er erklärte uns in einer sehr angenehmen tiefen Bass-Stimme, dass wir täglich mit ihnen auf dem Berg arbeiten würden. Ich konnte meinen Blick nicht von diesem Bart abwenden! Ich mag Vollbärte überhaupt nicht! Ich dachte darüber nach, wie er essen würde und ob das Essen darin hängen bliebe. Ich muss ihn angestarrt haben. Die beiden anderen stellten sich ebenfalls vor.  Alle waren sehr nett. Dann wieder eine kurze Vorstellungsrunde. Auch hier sorgte ich für Erstaunen. Man war völlig verblüfft, wie ich für eine Woche zum Arbeitseinsatz in die USA kommen könne. Dann sagte der Teamleiter zu mir „Wir können Deutsch sprechen.“ Völlig verdutzt und schüchtern bekam ich kein Wort heraus.
Nach diesem Treffen amüsierten wir uns alle über die vollbärtigen jungen Männer und sofort begann man mit dem Vorschlag, mich doch mit einem der Jungs zu verkuppelt. Ich war wirklich platt. Wo bin ich hier gelandet? Ich fand es aber toll, denn unsere Truppe schien eine richtig Gute zu sein.  Wir lachten viel und ich freute mich auf die Arbeit mit ihnen.

Nach dem Treffen mit den Jungs ging jeder ins Zelt. Morgen früh musste ich 6.30 Uhr zum Kochdienst erscheinen. Ich schrieb noch ein wenig Tagebuch, um 20.45 Uhr ging ich ins Zelt. Eigentlich wollte ich heute Nacht die Milchstraße fotografieren, doch es fing an zu regnen und der Himmel war bewölkt. Oh je.
Es war kalt. Ich ging noch mal aufs Plumpsklo, denn ich wollte vermeiden, nachts im Dunkeln raus zu müssen. Nachdem ich meinen Rucksack und die Sachen im kleinen Zelt arrangiert hatte, zog ich meine Merinowollunterwäsche an und schlüpfte in den Schlafsack. Mein Chef hatte mir seine Isomatte geliehen. Ich fror. Doch ich hoffte, schlafen zu können.

Montag, 27.07.2015

Oh je, was für eine Nacht!

Ich habe gar nicht geschlafen. Mir war so kalt! Ich stand um 6 Uhr auf. Da ich Küchendienst hatte, musste ich sowieso aufstehen. Ich wiederholte nun täglich morgens und abends die Babytücher-Waschprozedur. Ich hatte meine Wanderhose an, ein kurzärmliges Shirt, darüber ein Langarmshirt, darüber eine Fleece-Jacke, darüber die Softshell-Jacke, Mütze, Handschuhe. Man könnte glauben, es wäre Winter….
Wir machten Rühreier, in der Pfanne brieten wir Toast. Unsere Leiterin hatte in der Zwischenzeit einen Extratisch mit unserem Lunch vorbereitet. Jeder konnte sich Sandwiches bereiten, Obst nehmen, Kekse, Tomaten. Ich erzählte beim Frühstück, wie kalt mir war und dass ich kaum geschlafen hätte. Alle lachten und Peggy bot mir eine Decke an.
Nach dem Frühstück und dem Abwasch füllte ich meine drei Wasserflaschen. Noch gab es sauberes Wasser. Leider war in diesem Jahr das Wasser vom Zeltplatz nicht getestet worden und wurde somit nicht zum Verzehr freigegeben. Wir mussten also erst unser mitgebrachtes Wasser trinken und später Wasser aufbereiten. Der Rucksack, gefüllt mit Lunchpaket, ca. 2,5 Liter Wasser, Regenjacke, Kamera, Stativ war unheimlich schwer. Um 8.45 Uhr gingen wir los in Richtung „Miner´s Basin Foot Trail“. Wir bekamen noch einmal Anweisungen zur Sicherheit.
Gott, war das anstrengend! Der Miner´s Basin Trail ist zwar nur 4,3 km lang, doch extrem steil und sehr steinig. Wir liefen in einem sehr langsamen Tempo, jeder Schritt musste gut überlegt sein, sonst drohte man hinzufallen. Links von uns war der Abhang hinunter zu einem Flüsschen.

Ich atmete schwer, der Aufstieg fiel mir sehr schwer. Die Höhenluft dazu….Aber zum Glück rief irgendjemand alle paar Minuten nach einer kurzen Verschnaufpause. Peggy führte die Truppe an. Sie war sehr fit! Und zu meiner großen Überraschung auch die älteste Teilnehmerin mit ihren 74 Jahren! Sie redete ununterbrochen mit ihrer schrillen Stimme und wir lachten viel. Doch wir brauchten die Atempausen. Am Morgen war es noch frisch, ich schätze so 13 Grad. Auf einer Lichtung machten wir einen kurzen Snackstopp. Dann erklärte unser Teamleiter, dass er selbst nicht wüßte, wo genau unser Arbeitseinsatz beginnen würde! Was? Toll! Er erklärte uns, wie der bereits vorhandene Weg beschaffen war, was wir aber verbessern sollen. Wir sollten den Abfluss für Regenwasser erneuern. Er erklärte es uns und jeder bekam einen kleinen Abschnitt des Weges, den er bearbeiten musste.

Die Geräte und Arbeitswerkzeuge fanden wir auf halben Weg im Gras. Die Forest Crew hatte sie dort für uns abgelegt. Daher dachten wir, hier müssten wir anfangen. Ich arbeitete heute mit dem Werkzeug „McLeoud“. Eine mehrzackige Kante auf der einen Seite, eine Art Beil auf der anderen Seite. Das Gerät war schwer und es war anstrengend. Außerdem schnappte ich ständig nach Luft hier oben. Sobald wir fertig waren mit unserem Stück Weg, gingen wir weiter und bekamen das nächste Teilstück zugewiesen. So arbeiteten wir uns den Berg nach oben. Gegen 12.30 Uhr machten wir Lunchpause. Ich hatte keinen Hunger! Das war so untypisch. Man zwang mich zu essen. Das sei wohl die Höhenluft, man hätte keinen Appetit und er wußte auch, dass die Arbeit für uns alle sehr anstrengend ist. Wir mussten uns ja erst an die Höhe und die Arbeit gewöhnen.
Wir erwarteten die Jungs auf dem „Gold Knob Mountain Trail“, aber den mussten wir ja erst anlegen. Weit und breit kein Hinweisschild. Irgendwann gegen halb 2 kamen wir nach wunderschönen Pappelwäldern auf eine Anhöhe. Dort wuchsen nur noch wenige Nadelbäume. Und dort in der Ferne sahen wir die Jungs arbeiten.

Das musste also der eigentliche Arbeitsort sein! Ich dachte, ich falle um. Und das müssen wir jeden Tag laufen, um überhaupt erst mal hierher zu kommen? Die Jungs wunderten sich, wo wir so lange blieben. Dann erklärte man uns noch einmal, dass wir hier auf diesem Berg bis zum Gipfel einen neuen Wanderweg anlegen würden. Ich sah den Gipfel noch nicht, er musste um die Kurve dort vorn liegen. Die Jungs hatten schon einen groben Weg in den Berg geschlagen. Rote Fähnchen wiesen an, wo genau der Weg verlaufen sollte. Wieder bekamen wir jeder ein Teilstück und fingen an zu arbeiten. Ich musste Gras und Wurzeln entfernen und den Weg begradigen.

Ich stellte mein Stativ auf und machte Zeitrafferaufnahmen. Die Arbeit war so anstrengend! Ich machte alle Nasen lang eine Pause. Außerdem war der Blick sagenhaft und unübertroffen! Ich wollte ständig nur in die Landschaft blicken und genießen. Wir waren inzwischen auf ca. 3.200 Meter Höhe angekommen und der Blick ging weit ins Tal nach Moab hinunter.

Ich hoffte, die Zeit würde schneller vergehen. Ich war total erledigt. Meine Hände schmerzten, der Berghang war steil, ich musste ständig nach Balance suchen, die gebeugte Haltung war ungewohnt.
Dann endlich um 15 Uhr rief man zum Rückweg auf. Jetzt mussten wir den ganzen Weg wieder hinunter! Nach einer Stunde waren wir unten. Ich war völlig k.o.! Meine Schienbeine taten weh und ich sah, dass mein linker Daumen an der Handfläche geschwollen war und stark schmerzte. Ich zeigte es unserer Leiterin, sie ist Krankenschwester. Sie sagte, ich solle die Hand schonen und kühlen. Wir versuchten es mit einem Sofort-Kühlpack, doch die Masse darin kühlte nicht. Somit nahm ich kaltes Wasser vom Hahn und füllte es in eine Zipper Tüte. Das ging erst mal. Ich war noch heute zum Kochdienst eingeteilt. Heute gab es Salat, Bohnen-Truthahn-Paprika-Chili und dazu Corn Muffins. Letzteres wird aus frischem Mais mit einer Mixtur angerührt und wie Pfannkuchen gebraten.
Der Himmel war heute blau, es war noch windig, doch die Sonne schien noch. Somit holte ich meine Kamera und Stativ und entschied, den Mondaufgang/Sonnenuntergang über dem Haystack Mountain in Zeitraffer-Fotografie aufzunehmen. Ich stellte alles ein und ließ die Kamera ca. 2 Stunden lang aufnehmen. Alle 20 Sekunden ein Bild. Danach war mein zweiter von drei Akkus leer!
Das Dinner hat dann doch ganz gut geschmeckt. Heute hatte ich schon mehr Appetit. Vielleicht schmeckte es auch, weil wir Hunger hatten und total kaputt waren. Auf jeden Fall gab sich unsere Leiterin große Mühe, uns gesund und nahrhaft zu bekochen. Peggy und Roger gaben mir eine große Quiltdecke für heute Nacht. Ich verbrachte noch etwas Zeit am See und genoss den Blick. Jetzt ist es 21.40 Uhr, ich schreibe Tagebuch und werde mich gleich in meinen Schlafsack rollen und die Uhr auf 3 Uhr stellen. Ich will versuchen, die Sterne oder Milchstraße zu fotografieren.
Ich wachte 00 Uhr auf, weil ich zur Toilette musste. Oh nein! Gleichzeitig fror ich wieder sehr und fühlte mich etwas krank. Meine Nase war zu und ich hatte das Gefühl, eine Erkältung zu bekommen. Ich haderte mit mir, ob ich die Fotoausrüstung holen, oder lieber im Schlafsack bleiben sollte. Ich entschied, nur auf Toilette zu gehen. Das war Überwindung genug. Es war wirklich eine sternenklare Nacht, aber der Mond, der kurz davor ist, zum zweiten Mal in diesem Monat voll zu werden, schien so hell, es war unglaublich. Ich verkroch mich also wieder und hoffte auf Schlaf.

Dienstag, 28.07.2015

Heute brauchte ich etwas länger, ich war langsamer. Dadurch kam ich zu spät zum Frühstück. Es gab Haferbrei und englische Muffins. Es war kalt, ich war wieder angezogen wie im Winter. Alles, was ich hatte, zog ich in Schichten an. Man amüsierte sich über mich. Aber mir steckte noch das Unwohlsein und die verstopfte Nase im Nacken, ich war nicht so gut drauf.

Um 8.45 Uhr starteten wir unsere Wanderung wieder hinauf zum Gold Knob. Es war wieder beschwerlich, doch wir mussten heute nicht mehr ganz so viele Pausen machen, wie noch gestern. Ich war absolut überrascht und erstaunt, wie fit alle waren. Sicher, sie brauchten etwas länger und gingen langsamer, aber sie schafften den Aufstieg und arbeiteten den ganzen Tag ununterbrochen voller Enthusiasmus. Nach einer Stunde waren wir schon auf der Anhöhe und sahen wieder die Forest Crew, die schon seit 7 oder 8 Uhr arbeitet. Da ich heute meine Hand nicht so sehr beanspruchen sollte, holte ich die große Schere und beschnitt Bäume und Sträucher. Auf der Anhöhe waren überall Pappeln, kleine und große. Leider mussten wir aber Sträucher und auch junge Bäume wegschneiden. Wir sprachen vorher darüber, ob und wann es notwendig sei. Aber manchmal war der Baum einfach mitten im Weg, sodass er ganz tief unten abgeschnitten werden musste. Das tat ich dann für eine Weile – Koniferen und andere Sträucher und kleine Pappeln beschneiden. Die anderen waren wieder dabei, den Weg zu begradigen, den die Forest Crew schon geschlagen hatte, oder Wurzeln und Steine zu entfernen.

Dann waren irgendwann die Sträucher beschnitten. Ich musste nach einer neuen Aufgabe suchen. Nun sollte ich einen Baum absägen, per Hand. Wie hätten hier oben keine elektrischen Geräte (es war verboten). Kein Problem. Man erklärte mir, dass ich zunächst einen Keil in den Stamm sägen soll. Dann von der gegenüberliegenden Seite mit der Säge beginnen, in Richtung Keil zu sägen. OK, das tat ich. 

Gegen 12 Uhr machten wir eine Lunch Pause. Ich war ziemlich erschöpft nach der Baumfällung! Danach nahm ich wieder wohl oder übel die Hacke/Beil und half, in den noch unberührten Berg einen Pfad entlang der Fähnchen zu schlagen. Je weiter höher wir kamen, umso schöner wurde der Blick. Jetzt konnte ich sogar den Warner Lake und unseren Zeltplatz sehen.

Um 15 Uhr starteten wir wieder unseren Rückweg. Einige von uns liefen schon los, andere kamen später nach. Wir sollten nur darauf achten, immer mindestens zu zweit zu laufen, nie allein. Wir legten unsere Werkzeuge weg und verabschiedeten uns von den Jungs.

Nach einer Stunde waren wir 16 Uhr wieder am Zeltplatz. Heute hatte ich Probleme mit den Füßen. Die Zehen stießen immer beim Abstieg vorn an und taten sehr weh. Es war äußerst unangenehm. Ich zeigte es unserem Teamleiter und er klebte Tape um den Zeh. Dann empfohlen mir die Anderen, die Schuhe enger zu schnüren, sodass die Füße nicht so viel Spielraum zum „rutschen“ hätten. Außerdem taten meine Schultern und die Hüfte weh. Unsere weibliche Teamleiterin, die noch immer Pfadfinderin ist und Kindergruppen leitet, sagte, sie wolle sich morgen früh ansehen, wie ich meinen Rucksack trage und ihn dann korrigieren. Ach, ich finde das gut. Man kümmert sich!

Jetzt ist es 16.40 Uhr, ich gehe noch mal zum See. Peggy zieht mich weiterhin täglich auf und sagt, sie wolle mich  verkuppeln. Ich nahm das alles nicht ernst, es war mir irgendwie unangenehm.

Heute Nachmittag ist eine Gruppe Jungs auf dem Zeltplatz angekommen, die angeln und Mountain Bike fahren wollten. Es war etwas laut und turbulent. Dennoch ging ich wieder zum See und genoss diesen wirklich schönen Blick.

Ich ging dann etwas früher zum Sammelplatz, wo es um 6 Uhr Abendessen gab. Ich schwatzte mit einer unserer ältesten Teilnehmerinnen. Sie hat ein großes Wissen über Blumen, sie war einmal Lehrerin. Ich dachte nur: „Da fliegst du so weit in die Wildnis, und dann sind dort 4 ehemalige Lehrer! Ich scheine diesem Umfeld nicht zu entkommen.“ So unterhielten wir uns über die Blumen, die wir auf unserem Weg sahen. Sie hatte Bücher mitgebracht und wir blätterten darin. Dann kamen Peggy und Roger dazu. Auf einmal geschah das Wunder. Wir entdeckten eine Blume hier in Utah, die laut Bücher erst 1985 entdeckt wurde und angeblich ausschließlich in New Mexico wächst. Aber wir haben sie hier auch! Wir tauschten Fotos aus und waren ganz aufgeregt. Da sie aus New Mexico kommt, wollte sie sofort nach ihrer Rückkehr ihren Bekannten beim Biologischen Institut anrufen und ihm mitteilen, dass die „Bücher umgeschrieben werden müssen“. Es war so lustig und schön zu sehen, wie sie sich freute.

Das Wetter heute war schön. Die Sonne schien wieder, es war etwas windig, Temperaturen ca. 20 – 22 Grad Celsius.
Zum Abendessen gab es Karottensalat, Brokkoli-Fischfrikadellen und zum Nachtisch Obst-Crumble. Letzteres konnte ich nicht identifizieren. Äpfel, Kirschen und Haferflocken wurden in der Pfanne gebraten und mit Zucker und Zimt gewürzt. Es schmeckte, war aber ungewöhnlich. Ich hatte wieder Hunger und wir aßen alle viel und meist auch alles auf.
Nach dem Abendessen berieten wir, was wir am morgigen freien Tag machen würden. Die Forest Crew Jungs kamen vorbei und halfen in der Beratung. Vorgeschlagen war eine kleine, kurze Wanderung ca. 4 Meilen zum „Oowa Lake“ oder eine Tageswanderung zum „Burro Pass“ oder gar „Man´s Peak“. Ich schloss mich der Gruppe an, die die Tageswanderung wählte.
Peggy fragte, wie ich schlafen würde. Ich erzählte, dass ich trotz der Decke fror. Nun glaubten wir, dass es am Schlafsack liegen muss. Ich hatte ihn 1995 gekauft und nur bis 1999 genutzt. Danach lag er zusammengerollt auf dem Boden oder im Keller. Peggy sagte, sie würde mir einen ihrer Daunenschlafsäcke geben. Sie würde dann die Decke nehmen. Es war mir unangenehm, aber sie bestand darauf. Dann hatte man die Idee, ich könne doch meine Wasserflaschen mit heißem Wasser füllen und somit Wärme im Schlafsack erzeugen. Na das war ja eine tolle Idee! Wir kochten Wasser und taten das. Jetzt sitze ich in meinem eigenen Schlafsack, in dem die Wärmflaschen liegen, darüber zog ich den Daunenschlafsack und ich bekam noch eine weitere Decke. Ich war total eingemummelt, aber es war warm! Eine zweite Thermomatte bekam ich auch noch von Peggy. Ich lag wie eine Prinzessin auf dem Thron in meinem „Burrito“.
Heute Nacht will ich die Sterne fotografieren. Ich stelle mir keinen Wecker, da ich immer selbst wach werde.

Mittwoch, 29.07.2015

Man glaubt es kaum: mit den Wärmflaschen, zwei Schlafsäcken (dem Burrito) und der Decke war mir so warm, dass ich fast geschwitzt habe! Ich schlief um 9 Uhr ein und wachte um 6 Uhr auf! Nichts mit Sterne fotografieren! Zum Frühstück gab es Pancakes und gebratene Bananen mit Zimt. Peggy brachte selbst gemachte Konfitüre mit. In ihrem großen Garten wachsen viele Pfirsich und Pflaumenbäume. Wie versprochen wurde die Art, wie ich den Rucksack trage korrigiert. Es fühlte sich zwar im ersten Moment komisch an, doch ich hatte keine Probleme mehr!

Um 8.45 Uhr starteten wir unseren arbeitsfreien Tag. Ich erzählte Peggy von der warmen Nacht und dass ich es verpasst habe, die Sterne zu fotografieren. Dann, nach einer längeren Pause, sagte sie: „Ich habe gestern Abend ein Blind Date für dich organisiert.“ Ich lachte laut los und scherzte über ihre Unermüdlichkeit. Ich nahm das nicht mehr ernst. Es war mir unanangenehm.
Anfangs war der Weg sehr leicht. Wir liefen durch Wiesen und leicht hügeliges Gebiet. Überall waren die wunderschönen Pappelwälder. Dieser Wanderweg war Teil des „Whole Enchilada Mountain Bike“ Weges. Somit mussten wir immer und zu jeder Zeit mit Mountainbikern rechnen. Der „Whole Enchilada Trail“ ist der beste Mountainbike Parcour in den USA. Er setzt sich aus vielen einzelnen Wegen zusammen und verbindet auf einer Länge von gut 50 km die La Sal Berge (auf 3.500 Meter Höhe) mit dem Colorado River bei Moab (ca. 1200 m). Er führt durch spektakuläre Landschaft, ist äußerst anspruchsvoll, führt über versteinerte Dünen, Slickrock genannt. Es dauerte nicht lang, da kamen uns erschöpfte Mountainbike Fahrer zu Fuß oder in Schneckentempo entgegen. Wir motivierten sie durch Klatschen und Jubeln und sagten, sie hätten es gleich geschafft. Immer mal wieder kam uns die eine oder andere Gruppe entgegen, manchmal in der Abfahrt mit ziemlichem Tempo. Das war dann schon gefährlich.

Drei Mal mussten wir einen Fluss überqueren. Doch es gab keine Brücke. Somit mussten wir entweder durchlaufen oder einen Baumstamm nutzen und klettern. Das war voll mein Ding, der Abenteuerdrang kam durch. Es war so spannend!

Als wir die Flüsse überquert hatten, begann der schwere und steile Aufstieg. Nun war es wirklich sehr anstrengend.  Außerdem war der Weg durch die Mountainbikes stark ausgefahren und in schlechtem Zustand. Ich bestaunte oft die Pflanzenwelt und fotografierte viel. Nach ca 4 Stunden kamen wir alle oben auf dem 3.400 Meter hohen Gipfel an. Was für ein Gefühl! In der Ferne war es leicht diesig, sonst schien die Sonne, es war sehr warm. Wir konnten in der weiten Ferne eine sehr große Rauchwolke sehen. Es muss irgendwo in Colorado heftig brennen.

Wir liefen noch ein Stückchen weiter Richtung „Man´s Peak“. Dort war ein Baumstamm, auf dem wir Mittag machen wollten. Wir zogen alle die Schuhe und Socken aus und genossen den Blick bis nach Colorado. Es ist 13 Uhr.

Die Männer entschieden, weiter hinauf auf „Man´s Peak“ zu wandern. Der Gipfel sah mir noch sehr entfernt aus und ich war ziemlich kaputt. Meine Füße taten weh. Wir drei Frauen entschieden, ganz langsam zurück zu gehen. Wir machten viele Pausen und warten so auf die Rückkehr der Männer. Ich fotografierte das Gestein (Quarzstreifen). Roger sagte, das andere sei Granit. Außerdem fotografierte ich die große Blumenvielfalt.

Als wir an einem großen Berghang voll Gestein vorbeikamen, sah ich ein Tier. Es waren Murmeltiere! Ich hatte noch nie zuvor welche in natura gesehen und war begeistert. Wir beobachteten sie und ich machte Fotos. Außerdem war hier oben sehr viel Gestein, das eindeutige Spuren der Eiszeit aufwies. Man konnte genau sehen, wo die Eisschollen den Fels entlang geschliffen sind. Ganz langsam setzten wir unseren Weg hinab fort. Um 14.30 Uhr kamen schon die Männer dazu. Sie hatten zwar den Weg angestrebt, doch es stellte sich heraus, es war zu anstrengend und so kehrten sie um. Somit gingen wir wieder komplett weiter hinab Richtung Warner Lake. Auf einmal dachte ich, vor mir flattert ein großer Schmetterling. Es surrte eigenartig in der Luft. Doch es setzte sich auf einen Zweig und war ein Kolibri!!! Ich war so aufgeregt, stoppte sofort und fokussierte mit zittrigen Händen auf den winzigen Vogel. Obwohl ich mehrere Bilder machte, ist kaum eins richtig scharf. 

Um 16.45 Uhr kamen wir an, zurück am Zeltplatz. Total kaputt. Eine Teilnehmerin bot mir an, ihre Solardusche nutzen zu können. Das war ein Angebot! Dusche! Mein Körper fühlte sich klebrig und verschwitzt an. Ich nahm an, holte mein Handtuch. Das Wasser war durch die Sonne schön angenehm aufgewärmt. Sie führte mich zu ihrem Zeltplatz. Hinter ihrem Auto mit Campingaufsatz war ein Stein. Dort an einem hohen Ast der Pappel zogen wir die Solardusche hoch. Ich fragte, ob mich jemand sehen könne und sie verneinte. Sie dusche hier jeden Tag und noch nie ist jemand vorbei gekommen. Nun denn.
Ich zog mich flink aus und bemerkte ihren leicht erschrockenen Blick. Ich dachte ja nicht an die Prüderie der Amerikaner! Kaum stand ich im Evakostüm unter der Dusche, kam ein Reh und gesellte sich zu mir, quasi in Reichweite. Es ließ sich gar nicht stören, das war so ungewöhnlich. Ich fühlte mich dann doch ein wenig beobachtet…. Als ich gerade fertig war und mich umdrehte, um nach dem Handtuch zu greifen, kam ein Pärchen vorbei gelaufen. Soviel zum Thema „Hier kommt keiner vorbei“. Ich winkte freundlich zu, sie winkten zurück. Die Dusche tat gut. Aber die Camp Soap machte die Haare total hart und nicht kämmbar. Sie waren aber im Nu trocken, ich sah aus wie ein Wischmopp mit meiner Naturwelle… Ich merkte schon beim Abtrocknen, dass meine Ohren, vor allem das linke, unheimlich schmerzten. Was für ein Schreck: ich hatte mir die Ohren total verbrannt! Ich trug am ersten Tag nur ein Basecap, danach immer ein Stirnband zusätzlich. Dennoch muss die Sonne des ersten Tages ausgereicht haben, um die Haut zu verbrennen. Wieder ging ich zur Teamleiterin, der Krankenschwester…

Gleich ist Abendessen. Ich habe wie immer Hunger. Heute gab es „Griechische Pasta“ bestehend aus Nudeln, getrockneten Tomaten, Oliven, Fetakäse. Es hat geschmeckt. Vorher gab es Tomatensuppe aus der Dose. Selbst das hat geschmeckt. Am Picknicktisch schreibe ich jetzt endlich meine Postkarten, die ich in Moab gekauft habe. Am Samstag will ich sie dann zur Post bringen. Bevor wir „zu Bett“ gingen, fragte mich Roger, ob ich denn heute die Sterne fotografieren würde. Ich sagte, je nachdem, ob ich wach werde und ob es klar sei. Er erwiderte darauf nichts.
Heute gingen alle sofort nach dem Essen ins Zelt, es war erst 20 Uhr! Was mache ich jetzt noch? Also nahm ich mein Buch „The Lakota Way“ und las darin eine weitere Geschichte. Um 21 Uhr legte ich mich schlafen, im warmen Schlafsack-Kuschelbau. Um 4:45 Uhr wachte ich auf. Ich entschied, die Kamera zu nehmen und zum See zu laufen. Da mein Zelt am anderen Ende des Weges zum See lag, musste ich über den gesamten Zeltplatz laufen. Am Ende, kurz vor der Abbiegung zum Weg leuchtete mich eine Taschenlampe an und eine Stimme sagte: „Sei vorsichtig“. Ich war im ersten Moment verdutzt, dann fragte ich „Warum?“. Antwort: „Hier ist ein Bär vor dem Zeltplatz“. Oh Gott! Mein Herzschlag beschleunigte sich sofort auf 180. Angst! Auf der Stelle kehrte ich um und lief so schnell ich konnte (aber ich rannte nicht) zurück zum Zelt. Toll! An Schlaf war jetzt nicht mehr zu denken. Mein Herz klopfte so laut. Jetzt hörte ich jedes Geräusch! Das erste Tier schlich leise um mein Zelt. Da der Mond so hell schien, warf er einen Schatten von einem Reh an mein Zelt, das war irgendwie cool. Dann noch ein Schatten, viel kleiner, vier Beine, ein Waschbär? Dann auf einmal, kurz vor dem Einschlafen ein Grunzen. Ich war wieder hellwach. Das Tier bewegte sich schwerfälliger. Ich war so ängstlich, dass ich blitzschnell alle möglichen Gedanken im Kopf hatte. Am Abend zuvor hatte Roger Bärengeschichten aus seiner Zeit im Glacier Nationalpark in den 70 Jahren erzählt. Dass ein Grizzly ein Mädchen aus einem 3-er Zelt zog und so schnell den Kopf zerquetschte, dass das Mädchen nicht mal mehr schreien konnte. Ich bekam Panik, kroch aus dem Schlafsach-Gewirr und lief zu Peggys Zelt. Ich rief sie, sie schien wach zu sein. Ich sagte: „Peggy da ist ein Bär.“ Sie darauf ganz ruhig: „Oh. Wirklich? Hm.“ Ich sagte ich hätte Angst und fragte, was ich tun soll. Ganz trocken sagte sie: „Nun ja, DU bist aus deinem Zelt gekommen, das hätte ICH nicht gemacht.“ Das tröstete mich nicht! Sie sagte, ich solle mit der Taschenlampe leuchten, sodass er merkt, dass wir hier seien. Das tat ich. Das Geräusch schien weg zu sein. Roger sagte, ich solle einfach zurück ins Zelt gehen, der Bär würde uns Menschen riechen und uns nicht angreifen. Ja, und was hatte er noch am Abend zuvor erzählt? Horror Bären-Geschichten! Ich ging zurück, es wurde ja gleich hell und wir würden aufstehen. Irgendwie schlummerte ich noch einmal etwas ein.

Donnerstag, 30.07.2015

Um 6 Uhr stand ich auf, der Bärenschock saß noch im Nacken. Beim Frühstück sah ich Peggy im Gespräch mit einem der Forstjungs. Ich grüßte ihn und winkte. Er lächelte und hob die Tasse. Dann kam Peggy zu mir und fragte: „Warum warst du heute Nacht nicht hier?“ Ich daraufhin: „Warum? Warum hätte ich hier sein sollen?“ Peggy: „Ich habe mich gerade für dich entschuldigt. Er war wie verabredet hier heute Nacht und hat auf dich gewartet.“ WAAAS??? Ich war total entsetzt und sagte ihr, dass ich sie doch nicht ernst genommen hätte! Das Ganze war mir so peinlich! Ich wollte im Erdboden versinken! Hätte ich gewußt, dass es kein Scherz war, hätte ich einen schönen Abend verbracht und Fotos bei Mondschein am See gemacht. Vielleicht hätte der Bär uns besucht und ich hätte noch einen tollen Schnappschuss schießen können. Oje, meine gute Laune war dahin. Und ich grüßte ihn auch noch, so als wäre nichts gewesen. Wenn ich ihn auf dem Berg sehe, würde ich mich entschuldigen.

Das Frühstück French Toast konnte ich nicht genießen. Ich ärgerte mich wirklich sehr.

Heute gingen wir 8.15 Uhr los. Der Aufstieg war nicht so beschwerlich wie sonst. Ich redete die ganze Zeit und erzählte die Geschichte aus dem Buch. Peggy hat lange als Lehrerin in einem Navajo-Reservat unterrichtet. Mit ihr konnte man gut über die Kultur der Indianer sprechen, sie hat es ja live miterlebt. Somit haben wir viel geredet, keine Pausen mehr gemacht und waren schnell oben am Gipfel. Jetzt war der Weg ja länger, denn wir hatten ja bereits einen Teil des Weges angelegt. Nun waren wir kurz vor der Spitze und begannen mit dem Endstück.
Ich wunderte mich, warum mein Blind Date nicht mehr da war und man sagte uns, er sei heute Morgen zu einem Vorstellungsgespräch abgereist und würde erst am Samstag wieder kommen. Toll, das war unser Abreisetag.

Nun ja, ich war hier, um zu arbeiten. Vor uns lag der Gipfel, der noch bearbeitet werden musste. Ich ging zunächst allein bis ganz hinauf auf den Gipfel. Ich sollte/wollte Fotos machen, damit wir das noch unberührte Endstück und später den fertigen Weg sehen würden. Der Aufstieg war ziemlich anstrengend. Überall Steine, es war der reinste Balance-Akt. Außerdem passte ich auf, keine Schlange zu sehen. Ich fragte vorher, ob es hier welche geben würde. Die Jungs erklärten, es gäbe Schlangen; sie seien sehr langsam und träge, aber nicht gefährlich. Aber ich würde sowieso keine sehen hier oben. Dennoch – bei meiner Schlangenphobie passte ich auf wie ein Schießhund. Ich kraxelte also bis ganz hinauf. Oben angekommen war ich wieder knallrot im Gesicht. Doch was sich mir hier bot, übertraf alle meine Vorstellungen! Sah ich rechts hinunter ins Tal, lag dort vor mir in der schönen klaren Morgenluft das „Castle Valley“. Der rote Sandstein leuchtete und die Formationen erinnerten mich an Wild-West-Filme. Mir blieb fast der Atem stehen, so wunderschön war es. Ich war hier oben, allein, es war fast windstill. Es war himmlisch. Lange stand ich da und konnte dieses Glück kaum fassen. Ich sah das Tal, in dem Moab lag und je weiter links ich sah, umso grüner wurde die Landschaft, denn dort erhoben sich die Berge. Man sah deutlich den „Warner Lake“ und sogar den weiter tiefer gelegenen „Oowa Lake“. 

Dann lief ich auf der Bergspitze herum. Ich sah einen extrem leuchtend blauen Vogel zwischen den Bäumen. Er war aber schnell verschwunden, sodass ich ihn nicht fotografieren konnte. Wahrscheinlich war es eine Art „Jay“. Eine uralte Indianerstätte lag auf dem Gipfel: ein Kreis, wie eine Feuerstelle oder Opfergabe mit großen Steinen umgeben. Ich machte noch ein Selfie. Nachdem ich erst einmal genug gestaunt habe, begann ich den Abstieg. Es war ja kein Weg vorhanden, daher musste ich mir den Weg quasi suchen. Es flogen viele Schmetterlinge umher. Dann wollte ich über einen Stock steigen, als der sich plötzlich bewegte! Es war eine schwarze Schlange! Oh Gott, Phobie! Ich erschrak und wußte vor Schreck nicht, wohin. Also sprang ich drüber und versuchte, so weit weg wie möglich zu gehen. Die Jungs hatten zwar Recht, sie bewegte sich sehr, sehr langsam, doch dass ich wirklich hier oben auf 3.369 Meter Höhe eine Schlange sah, war unglaublich! Ich erschaudere immer noch, wenn ich daran denke…

Ich machte meine „Vorher-Nachher“ Fotos und nahm mir eins der Werkzeuge. Nun musste jeder hier die gleiche Arbeit machen. Zum Glück durften wir jetzt etwas „nachlässiger“ sein. Hier oben war Stein an Stein, sodass wir zunächst alle damit beschäftigt waren, diese irgendwo zu beräumen, wo Niemand arbeitete. Das war schwierig. Wir durften die Steine nicht einfach den Berg hinunter werfen, denn man weiß nie, wo der Stein hin rollt. Er könnte einen Menschen treffen. Also mussten wir sie tragen und positionieren. Ich nahm den „Pulaski“, dann wieder den „McLeoud“. Am schwierigsten war es, eine „Kurve“, das sogenannte „switchback“ zu gestalten.

Alle arbeiteten still und unermüdlich. Nach einem Lunch und mehreren kleinen Pausen rief man um 15 Uhr zum Arbeitsende. Wir waren fast oben angekommen. Was für ein Fortschritt! Die Forest Crew arbeitete seit heute an einer Steintreppe. Eine der „Kurven“=Switchbacks war sehr steil. In einem solchen Fall werden große Steine gesammelt und in Treppenform in die Erde gegraben. Somit hat mein einen leichteren Aufstieg und kann die Kurve gut nehmen. Sie sind sehr gut darin!

Heute hatte ich irgendwie nicht so viel Energie. Ich musste mehrere kleine Pausen zum Verschnaufen machen. Die Arbeit strengte mich sehr an und ich sah nur mühsam Fortschritte, obwohl die Anderen mich lobten. Der Abstieg war sehr still, jeder ging seines Weges, in Gedanken versunken, niemand sprach. Ich kannte inzwischen genau den Weg, wußte, wann der steile Steinweg begann, wann die schöne Wiese kam, die Stelle, an der die alte Minenhütte stand. Der Weg heißt nicht umsonst „Miner´s Basin Trail“. 1888 wurde in den La-Sal Bergen Kupfer entdeckt. Es entstand ein Boom, viele Menschen kamen in das unwegsame Gelände und siedelten sich an. Es entstand eine Stadt. Wo genau diese lag, weiß ich leider nicht. Aber wir kamen täglich an einer alten zerfallenen Holzhütte vorbei. Vom Berggipfel sah man in der Ferne die vielen Wege, die zu den Minen führten.

Vielleicht lag auch Wehmut in der Stille, denn morgen liegt der letzte Tag als Wilderness Volunteer vor uns.

In der einen Stunde vor dem Abendessen schrieb ich wie immer Tagebuch und lief zum See. Um 18 Uhr trafen sich alle wie gewohnt. Heute gab es ein Lagerfeuer. Zum Abendessen gab es ein Curry. Irgendwie waren heute alle in einer stillen und nachdenklichen Verfassung. Der Vollmond ging auf, es war fantastisch. Die Sterne funkelten, das Feuer brannte. Dann fing Roger wieder an, seine Bärengeschichten zu erzählen. Roger war sein Leben lang Ranger in verschiedenen Nationalparks, darunter Glacier NP. Er hat viele Geschichten über Grizzly Bären erzählt, Schaudergeschichten. Furchtbar. Aber alle lachten. Am späten Abend kam dann der „Camp Guard“, der Zeltplatzwächter. Es war eine Frau, Andrea. Sie stellte sich kurz vor und erzählte, dass es gestern im Zeltplatz zwei Bären gab. Ein Gast hatte seinen Müll frei herum liegen lassen, was die Bären angelockt hat. Angeblich waren auch Waschbären hier und hätten mit den Bären um das Futter „gekämpft“. Als Andrea wieder gegangen war, lachten sich einige Teilnehmer kaputt über die Vorstellung, Ein Bär würde mit einem Waschbären um Futter „kämpfen“. Alle anderen machten auch Witze, dass Braunbären nie in einen Zeltplatz, in die Nähe von Menschen kämen. Doch es muss so gewesen sein, denn ich habe ihn ja gehört und den Schatten des Rehes und wahrscheinlich doch des Waschbären an der Zeltwand gesehen!

Um 22 Uhr verabschiedeten sich dann die ersten und wir anderen gingen dann auch ins Zelt. Ich hatte wieder ein mulmiges Gefühl, allein in mein Zelt zu gehen, mit den Bären und anderem Getier da draußen…

Freitag, 31.07.2015

Ein paar Mal wachte ich auf in der Nacht. Ich schlief noch mal ein und wachte dann erst um halb 7 auf. Das war sehr spät, denn um 7 gab es Frühstück! Heute Morgen war es sehr kalt. Das Thermometer im Auto zeigte um 8 Uhr 45°F = 7,2 °C. Der letzte Tag als Freiwillige brach an…

Zum Frühstück gab es wieder Haferbrei, was alle hier liebten, und englische Muffins. Gegen halb 9 stiegen wir ein letztes Mal den Miner´s Basin Trail hinauf. Wieder war mir jede Abbiegung, jede Landschaft bekannt. Ich genoss es. Ich war traurig, dass die Zeit so schnell verging. Um 9.45 Uhr kamen wir am Gold Knob Berg an. Heute wartete nicht mehr viel Arbeit auf uns. Wir haben sehr viel geschafft gestern. Außerdem haben die Jungs vom Forstservice weitergearbeitet, als wir unseren freien Tag hatten. Heute war ich besser, ja sogar richtig gut drauf. Ich hatte viel Energie. Wir besserten nun alle nur noch den Weg aus, den wir in den letzten Tagen angelegt hatten. Es waren Schönheitsreparaturen. Da wir jeden Tag selbst auf unserem Weg entlangliefen, fielen uns Stellen auf, die unangenehm waren und somit besserten wir aus: ein Stein zu viel, man könnte stolpern; hier fehlte ein Stein, dann könnte man besser steigen; hier ist der Winkel nicht richtig, also noch etwas vom Weg wegnehmen, damit das Wasser besser abfließen kann und so weiter. 11.30 Uhr stiegen wir alle hinauf zum Gipfel und setzten uns vor den indianischen Steinkreis für ein letztes Lunch. Die Aussicht war wieder traumhaft! Als wir so dasaßen, kamen die ersten Besucher! Ein Pärchen mit zwei Hunden lobte uns und den schönen, neuen Wanderweg. Welch ein Triumph! Um 12.30 Uhr machten wir uns langsam wieder auf den Weg zurück. Wir besserten dann hier und da noch Kleinigkeiten aus, aber ansonsten war es das! Wir haben unser Ziel erreicht: der „Gold Knob Trail“ ist angelegt!

Heute war es sehr heiß. Es wurde in der Tat mit jedem Tag auf dem Berg wärmer. Während wir am ersten Tag heftigen Wind und eine kühle Brise hatten, war es heute windstill und gefühlte 26 Grad. Ich hatte oft kein Wasser mehr zum Zeitpunkt des Abstiegs.
Langsam und nachdenklich traten wir ein letztes Mal den Rückweg durch die Wälder und Pappelgründe des „Miner´s Basin“ Terrains an. Als wir am Zeltplatz ankamen, hatte ich viel Zeit. Ich sitze nun also neben meinem Zelt am Campingtisch und schreibe Tagebuch. Vor mir hoppelt ein Buntspecht im Baum umher und klopft. Nach dem Schreiben entschied ich, den Koffer zu packen. Morgen hätte ich bestimmt nicht die Zeit dafür, denn ich war noch einmal zum Küchendienst eingeteilt.
Wir aßen unser letztes Abendessen zusammen. Ich wußte, dass heute Peggy´s 60. Geburtstag war, durfte jedoch den ganzen Tag nichts sagen. Unsere Teamleiterin hatte nach dem Essen eine Überraschung vorbereitet. Sie pflückte einen großen Wildblumenstrauß. Nach dem Essen brachte sie einen Teller mit Herz-Schokolade, Ingwerkeksen und statt Kerzen brannten „Räucherstäbe“ in der Duftnote „Ozean“. Welch Kombination! Wir sangen ihr ein Geburtstagsständchen und ließen den Abend bei Schokolade und Keksen ausklingen. Außerdem hatten wir von unseren Teamleitern ein Geschenk bekommen: ein Stirnband und ein Kühlband für den Nacken!

Ich holte meine Fotoausrüstung und ging hinunter zum See. Jeden Tag ging der Mond später auf und ich stand sehr lange am See und wartete, dass es dunkel wurde. Ich wollte wenigstens heute, am letzten Abend, Sterne fotografieren. Als es gegen 21.30 Uhr dunkel wurde, keiner mehr am See war außer mir, wurde mir die Situation unheimlich. In diesem Moment watschelte ein Tier auf mich zu und ich erschrak dermaßen, dass ich alles schnappte und zum Zeltplatz lief. Es war ein Biber! Durch die vielen Bärengeschichten hatte ich mal wieder Angst und zog mich lieber auf den Zeltplatz Nr. 16 zurück. Von dort hatte ich ja auch einen schönen Blick auf den Berg und den Himmel. Erst gegen 22 Uhr gelang es mir, Fotos vom Sternenhimmel zu machen. Der zweite Vollmond, der sogenannte „Blue Moon“, schien so hell, es war fast unmöglich, gute Bilder zu bekommen.

Gegen 22.30 Uhr ging ich zurück zu meinem Zelt und kroch in meinen Burrito. Ich konnte leider nicht schlafen. Heute Nachmittag ist der Zeltplatz voll geworden mit neuen Besuchern. Dadurch hatte ich „Nachbarn“. Diese waren leider sehr laut. Es wurde laut erzählt, gelacht und vor allem getrunken. Leider zu viel und daher musste ich anhören, wie der Mageninhalt sich wieder in widerlichen Tönen ins Freie bewegte. Wieder hatte ich Angst, dass der Bär davon angezogen werden würde…

Samstag, 01.08.2015

Ich stand um 5.45 Uhr auf und entrollte meinen Schlaf-Burrito, packte alles zusammen, bis das Zelt leer war. Dann ging ich halb 7 zu Ruth und wir bereiteten das Frühstück vor. Heute war es wieder kühl, der Himmel passte sich unserer Abschiedsstimmung an und war bedeckt. Der Wind frischte auf. Zum Frühstück gab es Reste: Haferflocken aus der Tüte und aufgewärmte englische Muffins, Konfitüre von Peggy, Kekse. Ruth sagte, wir sollten uns die restlichen Lebensmittel mitnehmen. Ich steckte mir eine Tüte „Tortilla Chips- Salz Geschmack“ ein, zwei Tüten Haferflocken, schmierte mir ein Erdnussbutter-Sandwich. Alle wollten recht schnell den Zeltplatz verlassen und weiterziehen. Ich wollte noch hier bleiben! Doch da Peggy und Roger sich wieder bereit erklärten, mich mitzunehmen, war ich auf sie angewiesen. Es wurde plötzlich etwas hektisch, alle wuselten herum, wir verabschiedeten uns. Doch ich bestand noch auf einem Gruppenfoto.

Dann kamen noch einmal die Forst-Jungs und wir schrieben unsere Emailadressen auf. Sie wollten meine Fotos sehen. Der Abschied fiel schwer, da ich alle in´s Herz geschlossen hatte. Ich würde die grelle Stimme und das herzliche Lachen von Frances vermissen, ihr Wissen über Blumen und die Natur. Und ich würde Peggy und Roger vermissen, unsere Gespräche über die Ureinwohner und dessen Kultur. Außerdem hatten die beiden einen wirklich ausgefallenen Humor, was ich sehr schätzte.

Um 8.30 Uhr fuhr ich mit Peggy im Auto los Richtung Moab. Frances hatte Angst, allein in ihrem Camper die steilen und kurvigen Straßen hinab zu fahren und bat Roger, sie zu begleiten. Wir würden uns in Moab treffen. Auf halber Strecke dann kam uns der Forstmann entgegen. Sein Bart war deutlich gestutzt. Wir verabschiedeten uns. Wir winkten uns freundlich zu und jeder fuhr seines Weges.
In Moab trafen wir an einer Tankstelle Frances und Roger. Wir verabschiedeten uns von Frances. Da ich meine 6 Pakete „Einmal-Toilette“ nicht gebraucht habe, fuhr mich Peggy zu dem Laden, in dem ich sie gekauft hatte. Da ich noch den Beleg hatte, konnte ich sie anstandslos zurückgeben und das Geld wurde auf meine Karte zurück gebucht. Übrigens: der Begriff „Toilet Kit“ bedeutet, Hygieneartikel wie Zahnpasta, Zahnbürste, Seife etc. Es bedeutet nicht, Einmaltoilette!
Nun war es Zeit, sich auch von den beiden zu verabschieden. Sie fuhren mich zum Motel. Der Abschied fiel schwer. Ich fragte noch nach ihrer Adresse, denn ich möchte mich später mit einer Kleinigkeit für die große Hilfe bezüglich Zelt und Schlafsack bei Ihnen bedanken.
Es war 10 Uhr, mein Zimmer im „Inca Inn“ war noch nicht fertig. Somit stellte ich meinen Koffer in ein Hinterzimmer, lud schon mal den ersten Akku auf und schnappte mir meinen Rucksack. Nun wollte ich Moab zu Fuß erkunden. Moab ist eine Kleinstadt. Da mein Hotel aber am Beginn bzw. Ende der Stadt liegt, musste ich erst einmal ca. 10 Minuten in die „Innenstadt“ laufen, vorbei an den anderen, teureren Hotels. Die Innenstadt ist sehr hübsch, im Westernstil gebaut. Es war sehr heiß und schwül, und das schon um 10 Uhr am Morgen. Ich rief Mutti an und wieder hörte sie nichts. Mein Handy musste während der Zeit im Zeltplatz kaputt gegangen sein….

Ich hatte mir ja schon vorher aufgeschrieben, in welche Läden ich noch gehen wollte. Nun schlenderte ich durch die Boutiquen und Läden. Ich kaufte noch typische Touristendinge als Andenken an Moab/Utah. Dann sah ich diese Leder-Armspangen nach indianischer Art. Ich probierte drei Sorten um und entschied mich dann für eine schwarze Lederspange umhüllt mit Silberornamente und in der Mitte eine grüne Perle. Ich überlegte, ob ich in den teuren und originalen Schmuckladen „Lema´s Kokopelli Gallery“ gehen sollte. Aber es war klimatisiert und ich musste die Zeit irgendwie totschlagen. Der Laden war voll von echtem handgefertigtem indianischen Schmuck und Kunst. Ich erspähte eine Armbanduhr, die mir sofort gefiel. Lange überlegte ich, ob ich sie mir zeigen lassen sollte. Ich befürchtete, der Preis würde mich erschrecken. Doch sie kostete 125 Dollar, was ich in Ordnung fand. Ich probierte sie auf, sie war zu groß. Die Mitarbeiter stellten das Armband nach meinem Handgelenk ein. Zur Uhr kaufte ich noch kleine Ohrstecker mit „Mother of Pearl“ Steinen.

Um 14 Uhr lief ich zurück zum Hotel, in der Hoffnung, das Zimmer sei fertig. Das war so und ich war glücklich. Dusche! Ich hatte nun die Zimmernummer 13. Das Zimmer lag nur zwei Räume von meinem ersten entfernt, der Nummer 15. Genau über der Tür hing die Deutschland Fahne!

Ich nahm die langersehnte Dusche und wusch meine Haare! Was für ein tolles Gefühl, sauber zu sein! Ich rief nun bei „Navtec“ an, ob meine Tour am Sonntag in den „Canyonlands N.P.“ stattfinden würde. Das konnten sie mir noch immer nicht sagen! Es gab wohl noch weitere Anmeldungen, doch sie hätten noch nicht gezahlt. Man wollte mich bis 16 Uhr anrufen und Bescheid sagen.

Es war 16 Uhr, nichts. Also rief ich noch mal an, vom Hoteltelefon und man bestätigte, dass die Tour stattfinden würde. Ich war total enttäuscht über diesen Service!

Sehnsüchtig wartete ich darauf, meine Wäsche waschen zu können, denn ich hatte kein sauberes T-Shirt mehr, oder Socken, oder Unterwäsche. Zugegebenermaßen war es mir unangenehm, mit einem großen Stoffsack die Mainstreet zum Waschsalon entlangzulaufen. Aber mich kennt ja hier niemand! Zum ersten Mal in meinem Leben war ich nun also in einem echten amerikanischen Waschsalon! Eine Familie (Eingeborene) mit 6 Kindern tobte vor dem Eingang herum. Innen gab es einen Fernseher, jedoch keine Stühle. Ich suchte nach einer freien Waschmaschine und legte meine Wäsche hinein. Dann bemerkte ich, dass auf den Maschinen eine Nummer stand. Diese verwies auf die Menge der zu waschenden Kleidung. Ich hatte mir natürlich die erstbeste und damit die größte Maschine ausgesucht, obwohl ich nur Wäsche für 2 Personen hatte. Also wieder raus damit und in die andere Maschine. Sorgfältig las ich mir die Anleitung durch, warf meine 3 Dollar in 25 Cent Stücken ein und drückte „Warmwäsche“. Nun stand ich da und sah fern. Nach 20 Minuten war die Wäsche fertig. Ich ging damit zum Trockner. Es war voll im kleinen Salon. Ich legte die Wäsche hinein und drückte natürlich den falschen Knopf. Es war etwas unübersichtlich für Ungeübte. So drückte ich den Knopf für den Trockner eine Etage über der, in der meine Wäsche lag. Doch eine Dame hatte dort ihre Wäsche drin. Nun musste ich sie ansprechen und mich als „Greenhorn = Neuling“ outen. Sie drückte wortlos ein paar Knöpfe und im Nu lief mein Trockner. Sehr ungewöhnlich waren die Trockenzeiten. Nach 3 Minuten war natürlich nichts trocken! Also steckte ich nochmal mehr Geld hinein und ließ die Maschine ca. 15 Minuten trocknen. Auch dann war sie noch feucht. Ich hatte aber keine Lust mehr, steckte die feuchten Sportsachen ein und hoffte, sie würden über Nacht im Hotel trocknen. Nun ging ich wieder mit meinem schwarzen Sack die Hauptstraße entlang zurück zum Hotel. Ich traute mich sogar, mit dem Sack bei „Wendy´s ein Mittagessen zu kaufen. Im Hotel breitete ich alles auf dem Bett und den Stühlen aus.

Aber heute steht noch ein Highlight an: die Sonnenuntergangstour durch den „Arches Nationalpark“! Um 16 Uhr machte ich mich auf den Weg zum „Moab Adventure Center“. Hier begann die Fahrt. Ich registrierte mich und ging nebenan zur Pizzeria, noch schnell etwas essen. Um 17.15 Uhr starteten wir im Minivan mit 9 oder 10 Personen. So genau sah ich das nicht. Ich setzte mich natürlich gleich nach vorn an das große Fenster. Leider war der Himmel bewölkt und ich machte mir Sorgen, dass es keine „Sonnenuntergangs-Tour“ werden würde. Der junge Mann, ein Student, erzählte uns viele Details über Moab, die roten Sandsteinfelsen, die Uran-Minen, und natürlich den Nationalpark.
Gleich nachdem wir aus Moab herausgefahren sind, fuhren wir in den „Arches Nationalpark“ hinein. Über eine Serpentinenstraße erreichten wir schnell einige Höhenmeter und schon kam der erste Foto Stopp: Park Avenue. Wow! Dieser Blick war der Hammer!

Sofort war ich total fasziniert und in heller Aufregung, was uns heute noch erwarten würde. Der Himmel klarte langsam auf, der Sandstein färbte sich durch die tatsächlich langsam untergehende Sonne in ein warmes Rot. Wir fuhren immer entlang des „Scenic Drive“, weiter vorbei an Löchern in der Wand, an balancierenden Steinen, zu den „Fiery Furnace“ Felsen (der Glühende Ofen) zum „Sand Dune Arch“. Danach hielten wir alle paar Minuten, wie auch am „Skyline Arch“.

Nun fuhren wir den gleichen Weg zurück, bis zur Gabelung „The Window Road“, von wo aus wir zum „Double Arch“ fuhren. Alles, was ich bisher gesehen hatte, hat mich mit seiner Schönheit und Einzigartigkeit in seinen Bann gezogen. Doch der Double Arch hat alles übertroffen! Die Sonne stand inzwischen tief, der Himmel war aufgeklart, einige Schäfchenwolken zogen ihre Runden. Ich wußte gar nicht, was ich zuerst fotografieren sollte. Über den LaSal Bergen regnete und gewitterte es. Diese dunklen Wolken gaben einen wunderschönen Kontrast zur hier untergehenden Sonne.

Unser Fahrer sagte, es gäbe jetzt zum Abschluss einen kleinen Imbiss. Er fuhr auf eine Art Plateau, von wo aus wir einen tollen Blick auf einen balancierenden Stein und die La Sal Berge hatten. Es gab kleine Spieße aus Käse, Wurst und Trauben und Kekse. Es wurde dunkel und gegen 21 Uhr fuhren wir zurück nach Moab. Ich hatte Glück und wurde gleich am Ortseingang am Hotel „Inca Inn“ mit zwei weiteren Gästen abgesetzt. Dieser Ausflug hat viele Spuren hinterlassen: diese Landschaft hat mich tief bewegt, das Licht war traumhaft, ich war so glücklich, dieses Stück Natur gesehen zu haben. Es war ein ziemlicher Kontrast zu den LaSal Bergen, in denen ich noch bis heute Morgen war. Ich fühlte mich so wohl in Moab!

Um 21.15 Uhr war ich im Hotelzimmer. Völlig kaputt aber glücklich fiel ich mit tausend Eindrücken im Kopf ins Bett.

Sonntag, 02.08.2015

Da ja meine Tagestour heute doch stattfindet, musste ich zeitig aufstehen. Die Fahrt sollte um 8 Uhr beginnen. Ich beeilte mich mit dem Frühstück. Um 08.15 Uhr war noch immer niemand da. Ich sollte abgeholt werden. Ich hatte eine ziemliche Wut auf „Navtec“. Also rief ich wieder an der Rezeption an. Man sagte mir ganz ruhig, man sei noch nicht losgefahren, da der Fahrer sich verspätet. So etwas geht gar nicht! Ich hatte keine Lust mehr. Außerdem war das Wetter sehr trüb, es sah nach Regen aus. Es war auch sehr frisch. Gestern noch fast 40 Grad, heute 20.

Nach ein paar Minuten kam dann der Fahrer. Im Auto saßen noch zwei Personen. Das Paar stellte sich vor und sie kamen aus Golden, Colorado und waren Forscher im Fach Hautkrebs. Ich war sehr überrascht, denn einer meiner Ex-Chefs ist erst vor kurzem nach Golden gezogen. Die Welt ist klein!

Unser Fahrer, Rob, war schon in fortgeschrittenem Alter, sonst aber gut drauf. Wir fuhren los in Richtung „Potash Road“, die ich ja schon zu Beginn in Moab kurz abgefahren bin. Er erklärte sehr viel über die Petroglyphen und Zeichnungen der Ureinwohner. Wie hielten an und ich fotografierte viel.

Der Himmel bewölkte sich immer mehr. Ich hatte nur ein Sport-Shirt an und die Fleece-Jacke mit. Selbst mit der Jacke war es schon recht frisch. Welch ein Wetterwechsel. Dann kamen wir an die Pottasche-Mine, die auch heute noch in Betrieb ist. Wir kamen an vielen sehr großen Becken vorbei, in denen tropisch-blaues Wasser war. Dies sind die „Verdampfungsbecken“. Arbeiter pumpen die Pottasche aus der Erde nach oben in diese Pools. Die Sonne verdampft das Wasser und was bleibt, sind weiße Kristalle. Das Wasser wird künstlich eingefärbt, sodass es die Wärme/Hitze schneller absorbiert. Dieser Prozess dauert ca. 300 Tage, bis nur noch das Salz übrig ist. Ich erinnerte mich, als wir auf dem Gipfel von „Gold Knob Mountain“ standen, sahen wir in der Ferne diese blauen Flecke. Niemand wußte, was es sei und Roger dachte, es sei der Colorado Fluss. Das glaubte ich aber nicht. Hier der Beweis, man konnte die Mine und sogar Teile des Canyonlands N.P. vom Gold Knob aus sehen!

Noch fuhren wir auf einer befestigen Straße, doch dies änderte sich nun. Wir bogen mit unserem 4-Rad-Jeep auf den „White Rim Trail“. Diese Straße ist 161 km lang und verläuft stets auf halber Höhe zwischen den tief eingegrabenen Flüssen Green bzw. Colorado River und Canyonrand. Der Weg folgt einer Felskante rund um die beiden Canyonschluchten des Green und Colorado River.

Ich hatte mich schon vorbereitet und meine Reisekaugummis dabei. Gleich zu Beginn der Fahrt nahm ich einen. Das sollte mir nun bestimmt von Vorteil sein. Für Rob war es ein Spaß, mit uns über Stock und Stein zu fahren. Es ruckelte, wackelte; wie es eben ist, wenn man in unwegsamem Gelände unterwegs ist. Teilweise sah man den Weg nicht mehr. Manchmal blieb Rob stehen und überlegte, wo der Weg lang geht.

Vielleicht war das auch einkalkuliert, um uns ein wenig Angst zu machen und die Spannung zu erhöhen. Unterwegs erzählte und erklärte er sehr viel über das Gestein, die Entstehung des Parks, die Größe, die Minen etc.  Manchmal hat das Auto gerade so auf den Weg gepasst und rechts oder links ging es weit und steil in die Tiefe. Ich hatte schon ein ziemlich mulmiges Gefühl. Ich habe den Namen der anderen Gäste vergessen, aber die Frau hat nur gejucht und geschrien, weil sie immer den Abgrund sah und dachte, wir rutschten ab. Aber sie fand es auch abenteuerlich. Wir hatten alle Spaß und zum Glück hatte ich meine Reisekaugummis!

Wir hielten an und Rob zeigte uns in der Ferne einen Mineneingang vom einstigen Uranabbau. Besonders toll fand ich das verrostete alte Auto, das hier in der Pampa verrottete.

Wir fuhren weiter zu einem Ort, an dem man den Film “Thelma & Louise“ gedreht hatte. Von hier oben hatte man einen tiefen Blick hinunter zum Colorado Fluss. Hier wurde die berühmte Szene gedreht, in der Thelma und Louise in ihrem Auto über die Klippen fahren. Rob erzählte, es waren zwei Versuche nötig, und somit zwei Autos, bis die Szene im Kasten war. Ein wenig beängstigend war die Höhe schon. Menschen mit Höhenangst würden es schwer haben hier oben. Dann ging´s weiter auf der White Rim Straße zum „Gooseneck Overlook“. Dies ist ein ähnlicher Ausblick wie im berühmten „Dead Horse Point“ Park.

Obwohl das Wetter alles andere als schön war, sah diese Landschaft mit den Felsen und tiefen Schluchten sehr beeindruckend aus. Vielleicht sogar beeindruckender, als bei Sonnenschein. Ich nahm mehrere Belichtungsreihen auf, damit ich zu Hause HDR Fotos daraus machen konnte.

Immer am Colorado entlang fuhren wir inzwischen bei Regen die enge, kurvige Straße entlang. Rob fuhr sehr langsam und vorsichtig. Beeindruckend war, dass die Erde sich weiß färbte bei Regen.

Unser nächster Halt war der „Musselman Arch“. Zunächst konnte man ihn nicht ausmachen, denn er war so in die Landschaft integriert, dass es wie normaler Felsen aussah. Rob sagte, wenn wir mutig seien, könnten wir darüber laufen. Erst überlegte ich und fragte, wie breit der obere Arch-Rand sei. Die Männer gingen zuerst. Dann ich. Ich gab Rob die Kamera und lief über den Bogen. Es war seltsam. Der Steg war 1,52 Meter dick, 1,83 Meter breit, 57 Meter lang und 91 Meter nach unten tief!

Ich lief langsam und bedacht darüber, sah ab und zu nach unten. Es war ganz still, keine Touristen, nur ich, der Wind, der Bogen und etwas Regen.

Als ich den Arch überquert hatte, traute sich auch die letzte verbliebene Frau….

Ich freute mich sehr, dass ich bis jetzt keinerlei Probleme mit der Autofahrt hatte. Rob fragte mich ständig, ob es mir gut ging. Er musste ja schließlich oft scharf bremsen, wenn er über Stock und Stein fuhr und es war sehr kurvenreich. Ganz langsam merkte ich, dass die Wirkung des Kaugummis nachließ. Rob erzählte, er wollte mit uns ein Mittag-Picknick am Colorado Fluss machen. Ich dachte bloß: der Fluss ist da unten, wie kommen wir denn da runter?! Doch da das Wetter schlechter wurde und wir Blitze in der Ferne sahen, versuchte er, in der Station in Moab anzurufen, um sich nach dem Wetterbericht zu informieren. Leider ging dort niemand ran. Er fuhr bis zu der Stelle, an der es steil in die Schlucht hinab ging. Wir waren am „Lathrop Trail“ angekommen.

Nun mussten wir abstimmen: riskierten wir die Abfahrt? Es gab zwei Möglichkeiten: wir fuhren gar nicht hinunter und zurück, oder wir fuhren hinunter, aßen aber woanders. Falls wir vom Regen überrascht werden würden, gäbe es keinen Ausweg und wir müssten versuchen, schnellstens wieder den Pfad hinauf zu fahren. Alle beobachteten den Wolkenzug. Ich sagte, die Wolken ziehen vorbei, sie kommen nicht auf uns zu. Das sahen die Anderen auch und so entschieden wir, hinunter zu fahren. Das war echt der Hammer! Das Auto stand teils fast senkrecht. Ein Gekreische im Auto….

Der „Lathrop Trail“ ist der einzige markierte Wanderweg vom Island in the Sky hinab zum Colorado. Er ist steil und fällt auf der ersten Strecke von 4 km um fast 490 m. Teile des Weges sind eine alte Bergwerksstraße, die zu verlassenen Uran-Minen führen. Es ging weiter hinab durch ein Trockenflussbett zur White Rim 4WD Road. Doch Rob fand sie zunächst nicht. Dann endlich kamen wir durch dichtes Gestrüpp hinab zum Colorado.

Die Gesamtstrecke, nur Hinweg, beträgt 15 km mit einem Höhenunterschied von 640 m. Unten angekommen, sahen wir uns nur kurz um und genossen für einen kurzen Augenblick die Sicht auf den Fluss. Es regnete noch nicht, was ein gutes Zeichen war. Überall wuchs die gefährliche Pflanze „Datura“ = Stechapfel, die zu Halluzinationen bis hin zum Tod führt.

Wir nutzten alle das dort stehende WC Häuschen, stiegen wieder in den Jeep und fuhren das Ganze wieder hinauf. Ich weiß nicht, ob es schlimmer war hinauf oder hinab zu fahren. Jetzt wurde mir langsam übel und ich sagte das auch. Ich sagte auch, ich wolle keinen neuen Kaugummi nehmen, da ich sonst keinen Geschmack hätte für das Lunch. Es ging aber alles gut und wir fuhren zu einer Stelle, an der man zur „Washerwoman“ = der Waschfrau wandern konnte. Es regnete leicht. Rob bereitete das Essen vor und wir liefen ein Stück in den Canyon hinein.

Zum Mittag gab es Bohnensalat und Sandwiches. Total eklig süße Limonade, Kekse, Obst. Er hat sich viel Mühe gemacht, das alles vorzubereiten. Wir saßen auf Campingstühlen und aßen in Ruhe unser Lunch. Inzwischen war es 13.30 Uhr. Zum Glück zogen das Gewitter und der große Regen an uns vorbei.
Die meisten unserer Ziele hatten wir angesteuert. Nun fuhren wir langsam zurück, jedoch zum Ausgang, der über den „Shafer Canyon“ führte. Die legendäre „Shafer Trail Road“ ist mir bekannt. Sie ist extrem kurvig, mit vielen Haarnadelkurven und sehr steil. Ich freute mich schon auf den Weg hinauf. Ich warf einen weiteren Kaugummi ein und los ging die Fahrt!

„Shafer Canyon Outlook“ liegt etwa 800 m hinter dem Besucher Center. Hier hat man einen Ausblick hinunter in den östlichen „Shafer Canyon“ und auf die Shafer Trail Road, die um 1900 herum von den Rinderzüchtern Frank und John Schafer gebaut wurde, um Vieh zu anderen Weiden zu bringen. Später, ab 1950, haben Uran Prospektoren den Pfad zu einem Weg ausgebaut, der mit Jeeps mit Vierradantrieb befahren werden kann.

Wir fuhren sehr langsam, 20-30 km/h. Die Straße war so eng, dass gerade mal ein Fahrzeug darauf Platz hatte. Doch es kamen uns Fahrzeuge entgegen. Die Regel lautet: Fahrzeuge, die hinauf fahren, haben Vorfahrt. Das Fahrzeug, das hinunter fuhr, musste sich eng an den Felsen stellen oder gar eine der Ausbuchtungen nutzen, um den Anderen durchzulassen. Rob war aber so nett und ließ die Touristen in ihren gelben Jeeps passieren. Für uns war das nicht so schön, denn wir saßen ja an der Abgrundseite und dachten, wir stürzen jeden Moment ab. Diese Fahrt war wirklich nichts für schwache Nerven!

Als wir oben auf dem Plateau angekommen waren  (es muss gegen 16 Uhr gewesen sein), hatten wir einen tollen weiten Überblick in den Canyon hinein.

Leider war es sehr dunkel geworden, es nieselte immer wieder. Rob wies uns auf einen weißen Kleks in den Felsen hin. Dies war ein Auto, das den Canyon hinabstürzte, da die Touristen vergessen hatten, die Handbremse anzuziehen. Wir machten noch die obligatorischen Fotos vom Baumstamm und nach einigen Verweilminuten mussten wir leider den Rückweg antreten. Der Tag ging schnell vorüber und ich hatte wieder tausend Eindrücke mitgenommen.

Es war erst 17 Uhr, doch es war trüb und dunkel. Am Abend fing es an zu regnen und es gewitterte. Ich blieb im Hotelzimmer und packte mal wieder meinen Koffer. Leider war nun meine wunderschöne und erlebnisreiche Zeit in Moab vorbei und die letzte Nacht im „Inca Inn“ unter der Deutschlandfahne stand bevor.

Montag, 03.08.2015

Ich hatte mich mit der Dame von der Autovermietung zu 10 Uhr verabredet. Sie wollte mich abholen, da die Entfernung vom Hotel zu „Enterprise“ mehrere Kilometer betrug. In Ruhe frühstückte ich und checkte aus. Ich setzte mich draußen an die Frühstückstische und wartete dort mit meinem Gepäck auf das Auto. Mit einer Viertelstunde Verspätung kam die Dame an, sie hatte das falsche Hotel angefahren. Nun ja. Organisationstalent scheint bei den Menschen in Moab nicht gerade eine Stärke zu sein.

Die Dame wollte das Auto ziemlich schnell loswerden und ratterte ihre Angebote über Versicherungen wie ein Wasserfall runter. Ebenso ging sie um das Auto und stellte keine Mängel fest. Aber ich! Ich wies sie auf mehrere Beulen und Kratzer hin! Sie nahm alles auf, wir unterzeichneten den Vertrag und ich tuckerte mit meinem Kia vom Parkplatz, ein letztes Mal durch downtown Moab. Ich hielt noch einmal am Supermarkt, um Getränke und eine Kleinigkeit zu Essen für unterwegs zu besorgen.

Kurz hinter dem Ortsausgang begann die Scenic Route 128. Ich wollte heute nicht den Highway fahren, denn ich hatte viel von dieser Straße gelesen und wollte unbedingt einen Abstecher zum „Castle Valley“ machen. Dieses Tal mit seinen charakteristischen Felsformationen konnte ich vom Gipfel des „Gold Knob“ aus sehen. Nun wollte ich es von der anderen Perspektive, von der Straße aus, sehen. Außerdem hatte ich vor, in der Geisterstadt „Cisco“ anzuhalten. Sie lag auf dem Weg. Den Nachmittag hatte ich mir mit einem Ausflug in den Park „Colorado National Monument“ in Fruita, Colorado verplant. Auf ging es nun zur letzten Etappe meiner Abenteuerreise.

Es war sehr schnell sehr heiß an diesem Tag. Ich fand die Abbiegung zum Castle Valley und nahm mir vor, nur maximal 30 Minuten für den Hin- und Rückweg einzukalkulieren. Zum Glück war ich recht schnell an der Formation „Priest and The Nuns“, sowie am berühmten „Castle Tower“. Von hier aus konnte ich nun auch den Gold Knob, unseren Arbeitseinsatzort, erahnen.

Wehmut stieg in mir auf…Ich fuhr nicht weiter bis zu den „Fisher Towers“, denn ich hatte noch einen langen Weg bis nach Colorado vor mir.

Leider genau in der Mittagshitze kam ich in Cisco an. Ich war die Einzige dort und fuhr die Straße durch den verlassenen Ort ab, um ein paar Bilder zu knipsen. Es war unerträglich heiß. Am liebsten wäre ich in jedes Haus gegangen und hätte mich auch innen umgesehen. Aber erstens sind sie stark einsturzgefährdet und zweitens reichte leider die Zeit nicht aus. Somit fuhr ich weiter Richtung Highway, der mich in Kürze nach Fruita bringen sollte.

Zuerst fuhr ich in die Touristeninformation. Es gab dort einen großen Kreisverkehr und ich konnte in der Kürze der Zeit nicht erkennen, wo ich lang musste. Außerdem war ein WC Stopp angebracht. Die alte Dame sprach mich natürlich sofort an, woher ich käme und dergleichen. Ich schrieb noch schnell eine E-Mail an Pfeiffers, damit Mutti beruhig war. Die Dame aus der Info gab mir deutsche Prospekte über den Park mit und erklärte mir, wie ich zum Parkeingang käme und wie lange ich ungefähr brauchen würde, ihn zu durchfahren. Mit einer Stunde klang das ganz gut, dann wäre ich rechtzeitig im Hotel in Grand Junction.

Als ich am Eingangshäuschen bezahlen wollte, sagte die junge Frau „Oh my God, das ist die schönste Armbanduhr, die ich je gesehen habe!“ Ich erzählte ihr, wo ich sie gekauft hätte und sie war voll begeistert. Ich folgte ihrer Anweisung und klebte meine „Aufenthaltsgenehmigung“ vorn an die Scheibe, denn man sollte sehen, dass ich gezahlt hatte, und fuhr los. In sehr kurzer Zeit erreichte ich an Höhe. Am Infocenter hielt ich an und sah mich um. Doch es war nichts zu holen, ich kaufte nichts und machte mich auf den 37 km langen „Rim Rock Drive“, der vom Westeingang (ca. 4 km von Fruita entfernt) auf 1430 Metern Höhe liegt. 

Diese Landschaft war so völlig anders, als ich sie mir vorgestellt hatte! Auf der kurvenreichen Strecke fuhr ich mit 30 Km/h am Rande des Plateaus entlang. Auf der Beifahrerseite ging es steil hinab in das Tal. Es gab diverse Haltepunkte und mit jedem Stopp wurde die Szenerie eindrucksvoller! Ich hielt wirklich an jeder Einbiegung.

Das „Colorado National Monument“ ist ein 83 km² großes Naturschutzgebiet. Die vielfarbigen Sandstein-Formationen des Colorado National Monuments erheben sich mehr als 610 Meter über dem Tal des Colorado River. Erosion durch Wind und Wasser, Hitze und Frost hat tiefe Abbrüche, steile Felswände und unverwechselbare Steinformationen geformt. Die Gesteinsschichten sind zwischen 1,5 Milliarden und etwa 80 Millionen Jahren alt; ihr Farbspektrum, das von orange über rot und purpurn bis braun reicht, verdankt es den Einlagerungen von Eisen und anderen Mineralien.

Mit jeder Windung stieg ich höher auf das Plateau auf. Ich bemerkte, dass ich immer mit der gleichen Gruppe Senioren an den Aussichtspunkten ankam. Irgendwann fotografierten wir uns gegenseitig. Einer der Herren sagte, er verlasse sich darauf, mich beim nächsten Punkt zu treffen, um weitere Fotos zu machen. Sie waren eine lustige Truppe. Den höchsten Punkt erreichte ich in der Nähe des Ute Canyon View mit 2024 Metern.

Ich bemerkte, dass ich vom 1530 Meter hohen Plateau langsam bergab fuhr und ich mich dem Ausgang in Grand Junction näherte. Nach ungefähr 1,5 Stunden kam ich am Osteingang bzw. jetzt für mich am Ausgang des Parkes an. Von hier sind es ca. 6 km bis in die Stadt.

Es war inzwischen ungefähr 16 Uhr, ich habe es nicht aufgeschrieben. Da ich seit dem Frühstück und ein paar Snacks kein warmes Essen hatte, beschloss ich, nach einem Taco Bell zu suchen. Ich hatte großen Appetit auf einen Burrito. Die letzte warme und original amerikanische Mahlzeit sollte mein Lieblingsgericht sein: Burrito! Also gab ich im Navi „Taco Bell“ ein und landete in einem Shopping Center. Ich genoß mein Essen! Ich hatte aber bei meiner Ankunft in Grand Junction vor einer Woche im Wal Mart „Camper´s Toilet Paper“ gekauft, das ich nicht gebraucht habe. Also suchte ich den Walmart und gab die Ware zurück. Nun fuhr ich wieder zum Shopping Center „Mesa Mall“ zurück. Also dachte ich, schaue ich nach, ob ich noch den Lieben etwas mitbringen kann.

Die Sonne ging langsam unter. Ich gab nun die Adresse meines Hotels am Flughafen ein. Nach 12 Minuten war ich da. Das Hotel „Econolodge“ lag direkt neben einer Tankstelle. Das erinnerte mich daran, dass ich das Mietauto vollgetankt zurückgeben musste. Also tankte ich noch. Dann ging ich in das Motel. Auf unseren früheren USA Aufenthalten hatten wir sehr schlechte Erfahrungen mit dieser Hotelkette gemacht. Dieses hier in Grand Junction hatte fabelhafte Kritiken, ich war gespannt.

Schon beim Betreten der Eingangshalle dachte ich, ich sei in einem 4 Sterne Hotel. Alles war sehr sauber und glänzte. Frische warme und duftende Cookies standen an der Rezeption.

Vor mir kamen gerade ein paar Motorradfahrer (Biker) an. Oh je, am Tresen stand ein alter Mann, der es nicht hinbekam, die 4 Personen einzuchecken! Es dauerte ca. 20  Minuten, wenn nicht länger, bis er es endlich hinbekommen hatte. Ich war so wütend! Dann endlich bekam ich meinen Schlüssel und zum Glück lag mein Zimmer im Erdgeschoss. Es gab nämlich keinen Fahrstuhl! Da mein Auto an der falschen Seite des Hotels stand, parkte ich um und schaffte mein Gepäck ins Zimmer. Erst mal duschte ich. Dann breitete ich alles auf einem der beiden Betten aus und versuchte, so strukturiert wie möglich zu packen, sodass alles rein passte. Der Schlafsack fiel ja weg, da er kaputt ging und Peggy ihn mitgenommen hatte. Diesen Platz nahmen nun die Shirts und meine wenigen gekauften Sachen ein.

Nach einer Weile hatte ich alles verstaut. Der Koffer ging nur mit großem Kraftaufwand zu. Hoffentlich übersteht er den Flug und platzt nicht auf. Ich versuchte noch, das restliche Wasser zu trinken, denn ich durfte ja nichts mit in den Flieger nehmen. Den Abend verbrachte ich entspannt im Bett vor dem TV, in dem wieder mal nichts lief…Noch vor kurzem saß ich in einem Hotelbett und hatte meine Reise vor mir. Jetzt ist die Zeit viel zu schnell vorüber gegangen und wieder sitze ich auf meinem Bett im Hotel. Ich sah mir meine Fotos auf der Kamera an und wollte noch nicht den Rückweg nach Deutschland antreten…

Dienstag, 04.08.2015

Da mein Flieger bereits um 08. 20 Uhr ging, musste ich zeitig aufstehen. Der Frühstücksraum war extrem winzig, man konnte nicht nebeneinander gehen und musste warten, bis eine Person sich am kleinen Buffet bedient hatte. Nun war der Raum schon voll mit dicken Amerikanern. Das war sehr angenehm…Ich aß Banane, Waffeln, Cornflakes, trank Kaffee. Da ich so oft zwischen den engen Stühlen hin und her lief, machte einer der Männer einen Kommentar, dass ich ja schon die richtige Fitness-Kleidung anhätte für meinen Morgensport. Ich trug bequeme Sportkleidung für das Flugzeug und sah aus, als würde ich jeden Moment mit dem Training beginnen…

Nach dem Frühstück hievte ich alles in mehreren Etappen zum und in´s Auto. Dann checkte ich aus und fuhr zum Flughafen, was nur 5 Minuten dauerte.

Dort gab ich das Auto ab und ging zum United Airlines Schalter. Nachdem ich meinen Koffer abgegeben hatte, war noch ausreichend Zeit bis zum Abflug. Da der Flughafen so klein ist, hat man keine Auswahl des Zeitvertreibs. Ich stöberte im kleinen Souvenirladen und kaufte noch Postkarten und Kaugummi. Ich nahm meinen Reisekaugummi, als wir zum Flugzeug gehen durften.

Ich ging langsam und genoss den wunderschönen Blick auf das umliegende Colorado Plateau, diese traumhafte Landschaft. Das Flugzeug war wieder für 50 Personen ausgerichtet. Auf meinem Platz saß eine Frau, der man deutlich ansah, dass sie eine reservierte und strenge Person war. Sie würdigte mich keines Blickes und ich entschloss, nicht darauf zu bestehen, dass sie Plätze tausche, denn sie saß auf meinem Platz. Beim Start fotografierte ich rechts und links aus dem Fenster. Das war etwas schwierig, da ich ja nun am Gang saß. Eine andere Stewardess, die schräg hinter mir saß, bot an, die Plätze zu tauschen, damit ich besser fotografieren könne. Ich dankte ihr, nahm aber nicht an, denn ich konnte ja zoomen. Die Dame neben mir war ausschließlich auf ihren Laptop konzentriert. Dann machte sie einfach die Fensterklappe runter. Sie drehte sich kurz zu mir um und sagte ohne jegliche Mimik: „Sagen Sie Bescheid, wenn Sie fotografieren wollen.“ Inzwischen waren wir aber zu weit oben in der Luft.

Ich erschrak, denn diese steife Frau war Lehrerin! Sie las über den Umgang mit Kindern und Lernmethoden. Oh je, die Kinder taten mir so leid. Sie ist garantiert der Schrecken aller Kinder!

Der Flug verlief unerwartet ruhig und ich hatte keine Probleme. Von Phoenix  ging es um 09.50 Uhr weiter nach Chicago. Auch, wenn es nur zwei Inlandsfüge waren, war ich den ganzen Tag unterwegs. Es war anstrengend!

Zum Glück verlief auch der Flug nach Chicago ohne größere Probleme. Ich kam um 15.59 Uhr an, aber an einem völlig anderen Terminal. Nun musste ich erst ziemlich lange suchen, um genau den Terminal zu finden, wo der Zubringer vom Hotel mich abholen würde. Jetzt merkte ich, wie riesig der O´Hare Flughafen war. Ich irrte erst eine Weile herum, Fahrstuhl hoch, Fahrstuhl runter. Dann irgendwann fand ich ein Hinweisschild und folgte den Beschilderungen. Ich hatte Hunger, denn ich hatte ja wieder seit dem Frühstück nichts gegessen. Leider war das Einzige, was geöffnet hatte und in der Nähe des Taxistandes war ein Pizzaladen. Und ausgerechnet der nahm nur Bargeld. Ich konnte mir nur noch eine Minipizza für 8 Dollar leisten. Für einen leckeren Joghurt hat es nicht gereicht. Das Bargeld war alle!

Ich rief wieder das „Super 8“ Hotel an. Zum Glück verstanden sie mich, ich brülle ja auch in das Telefon… Dieses Mal dauerte es 45 Minuten, bis der Fahrer kam! Ich konnte also in Ruhe meine Pizza essen. Gegen 17.30 Uhr kamen wir im Hotel an. Nach dem Check versuchte ich, mich am Computer für den morgigen Flug nach Deutschland einzuchecken. Da ich den Flug direkt bei KLM gebucht hatte, war das kein Problem. Neben dem Computer war ein Hinweisschild auf die Kosten pro gedruckte Seite = 25 Cent. Ich nahm also den Rest meines Kleingeldes mit. Dann ging ich zur Rezeption mit meinen 2 Blatt Papier (Bordkarten), aber sie sagten, es sei umsonst. Schön! Ich bestellte schon mal den Zubringer für morgen. Mein Flug ging zwar erst um 16.20 Uhr, aber ich musste spätestens 12 Uhr aus dem Hotel sein. Also ließ ich mich zu 10 Uhr abholen und musste dann eben meine Zeit auf dem riesigen Flughafen verbringen. Ob ich nun im Hotel sitze oder auf dem Flughafen…

Ich hatte eigentlich vor, im Hotel noch die restliche Wäsche zu waschen. Doch als ich sah, dass ich 3 Dollar für die Waschmaschine plus 3 Dollar für den Trockner brauchte, konnte ich das abblasen. Ich hatte kein Bargeld mehr. Nun ja, es war nicht so schlimm, dann wusch ich eben alles zu Hause. Ich ging also mit dem Wäschesack wieder in mein Zimmer und begann zu packen. Ein letztes Mal. Es war wieder äußerst schwierig, doch es passte alles rein. Ich versuchte noch einmal Mutti anzurufen und aus irgendeinem Grund drückte ich auf den „Lautsprecher“ Knopf. Mutti sagte: „Was hast du jetzt gemacht, ich höre dich laut und deutlich!“ Nun wußte ich, dass eindeutig der innenliegende Lautsprecher im Handy defekt war. Denn der äußere Lautsprecher, der woanders liegt, funktioniert ja. Nun ja, sie war beruhigt, meine Stimme zu hören und wir schwatzten eine Weile. Ich bin so gespannt, wie hoch die Telefonrechnung ausfallen wird…

Ich sah wie immer ein wenig fern und las im Buch, bevor ich ins Bett ging und meine letzte Nacht in den USA verbrachte.

Mittwoch, 05.08.2015

Ich hatte nicht notiert, wann ich aufstand. Das Tagebuchschreiben wurde vernachlässigt, da ich am Abend immer erstens kaputt und zweitens zu melancholisch war, um zu schreiben. Auf alle Fälle ging ich etwas später zum Frühstück, gegen 8 Uhr. Ich nahm jedoch gleich meinen Koffer mit. In aller Ruhe checkte ich aus und füllte mir noch einmal eine meiner Wasserflaschen mit Wasser. Da der Frühstücksraum voll war und ich mich zu niemandem an den Tisch setzen wollte, ging ich in die Lobby. Dort gab es auch kleine Tische.

Ich schlug mir noch mal den Bauch voll, denn ich hatte ja dann erst einmal nichts mehr bis zum Mittag. Dann surfte ich noch mal kurz im Internet, ich hatte noch etwas Zeit, bis der Zubringer kam.

Etwas verspätet kam der Kleinbus und ich fuhr ein letztes Mal zum Flughafen Chicago. Überall um den Flughafen wurde gebaut und man musste teilweise Umleitungen fahren. Der heutige Fahrer fuhr mich zum ersten Mal und er fuhr eine völlig andere Strecke, als der Fahrer zuvor. Da einige Terminals wegen der Baumaßnahmen gesperrt waren, wurde ich an einem anderen Gate raus gelassen.

Ich merkte wieder das ganze Ausmaß des riesigen Flughafengeländes und suchte eine Weile, bis ich das korrekte Gate fand. Dort stand ein Schild, dass der erste Check In erst um 12:30 Uhr beginne. Oh je. Ich hatte noch 3 Stunden Zeit! Also stellte ich mich spontan in die Schlange zur Passkontrolle. Ich dachte, ich würde so in den größeren Teil des Geländes kommen, in dem auch die Geschäfte waren. So wollte ich mir die Zeit vertreiben.

Es ging auch alles gut. Dann allerdings wunderte ich mich, als ich zur Personenkontrolle kam. Ich sollte meinen großen Koffer gemeinsam mit den Schuhen, dem Rucksack, Jacke etc. auf das Laufband stellen. Es kam mir eigenartig vor. Also tat ich das. Ich ging durch den Ganzkörperscanner. Dann allerdings wurde mein Rucksack zurück gehalten. Ich musste warten, bis man ihn genauer untersuchte. Eine meiner Trinkflaschen musste ich auch entsorgen. Dann lief ich durch das Gelände. Doch was war das? Plötzlich war ich am Gate! Jetzt wurde mir auch klar, dass ich ja bereits komplett durch die Sicherheitskontrollen gelaufen bin und ich den Koffer noch gar nicht aufgegeben hatte! Ich bin tatsächlich samt Koffer, in dem das Kochbesteck und andere spitze Gegenstände waren, durch die Kontrollen gekommen! Das gibt es nicht! Ich war völlig sprachlos. Also lief ich zu einem Sicherheitsoffizier und fragte, wie ich wieder herauskam. Nun blieb mir leider nichts weiter übrig, als die 3 Stunden VOR dem Check In Schalter zu warten, bis ich meinen Koffer aufgeben konnte.

Ich fand zunächst keinen Sitzplatz. Dann holte ich mein Buch heraus (Selected Poems by Emily Dickinson) und las, bis der Schalter öffnete. Ich war eine der ersten in der Schlange. Tja und dann begann das ganze Spiel von vorn: Passkontrolle, Sicherheitskontrolle. Dieses Mal ging der Rucksack durch. Seltsam. Alles dieselben Leute und zwei unterschiedliche Ergebnisse. Inzwischen war es Mittagszeit. Leider war dieser Teil des Flughafens (Terminal 5) recht klein.

Somit gab es nur die Wahl zwischen Fastfood und einem Chinesisch/Thailändischen Restaurant. Ich entschied mich für Letzteres und eine warme üppige Mahlzeit.

Danach schlenderte ich durch die Souvenirläden und kaufte das eine und andere für meine Nachbarin und für Pfeiffers. Da mein Gate in unmittelbarer Nähe lag, setzte ich mich und las noch ein wenig. Ich trank dann noch einen großen Kaffee und aß einen Muffin. Irgendwie verging die Zeit und dann saß ich im Flieger Richtung Amsterdam.

Neben mir saß eine junge Frau, die mich sofort ansprach. Sie war chinesischer oder koreanischer Herkunft, Studentin und erzählte mir, dass sie auf der Reise zum Kilimandscharo sei. Sie war eine kleine Quasselstrippe. Nach einigen Stunden wurde es heftig unruhig im Flieger, doch der Pilot machte nicht die Zeichen zum Anschnallen an. Ich fand das sehr ungewöhnlich, denn es war sehr heftig. Meine Nachbarin bot mir sofort Kaugummi an, da ich ihr sagte, es ginge mir nicht gut. Dann kamen doch die Anschnallzeichen. Es ging ungefähr eine Viertelstunde so. So genau weiß ich das nicht, denn wenn man „kämpft“, kommen einem die Turbulenzen elend lang vor. Ansonsten verlief der Flug gut. Ich hatte meine Kamera oben in der Ablage verstaut. Das ärgerte mich später, denn es gab einen herrlichen pinkfarbenen Sonnenaufgang. Der war wirklich super schön! Europa hieß mich in rosa Farben willkommen…

In den folgenden Wochen sortierte ich meine Fotos (ca. 2000). Auch wenn ich wie erhofft viele tolle Erinnerungen und Eindrücke mitgenommen hatte, so kam die „Erleuchtung“ leider nicht. Ich weiß immer noch nicht, wie es beruflich weitergehen soll oder wie der „Durchbruch“ aussehen könnte. Aber zumindest hatte ich ein unvergessliches Abenteuer mit wirklich netten Menschen und unglaublich schöner Natur. Und nein, ich hatte keine Blasen an den Füßen! Diese Eindrücke werde ich nie vergessen. Und wenn ich Sehnsucht habe oder melancholisch bin, dann nehme ich mir mein Reisebuch zur Hand und lese.

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