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Ein neues altes Familienmitglied

Ich hätte nie gedacht, dass ich diese Geschichte einmal schreiben würde. Etwas ganz Wundervolles ist geschehen. Obwohl es nun schon einige Wochen her ist, merke ich noch immer, wie es mich beflügelt und unheimlich glücklich macht. 

Fangen wir von vorn an und gehen zurück in das Jahr 1986. Damals war ich 10 ein halb und lebte in Ostdeutschland, in der ehemaligen DDR. Meine Familie bestand aus meiner Mutter und meiner Großmutter. Es gab keine weiteren Familienmitglieder, oder zumindest niemanden, der aktiv Familienzugehörigkeit suchte. Ich wußte, dass mein Großvater mehrere Geschwister hatte. Einer seiner Brüder flüchtete in die USA ungefähr zur Zeit des zweiten Weltkrieges. Er heiratete, bekam eine eigene Familie. Sein Sohn zog dann irgendwann zurück nach Deutschland, wo er seine Familie großzog. Meine Mutter pflegte Briefkontakt nach Süddeutschland, wenn die Briefe nicht abgefangen wurden. Für die Zeit Ostern 1986 arrangierten sie ein Treffen in der DDR. Ich würde zum ersten Mal meinen Großcousin treffen, der nur ein paar Jahre älter war als ich. Vom ersten Moment an verstanden wir uns großartig. Wir hatten eine tolle Zeit und machten nur Blödsinn. Doch nach diesem Treffen verloren wir uns nach und nach aus den Augen, bis ich ihn fast komplett vergaß. 

2014 war eine schwierige Zeit für mich. Vielleicht hatte ich eine Art Mitlife Crisis. Da ich grundsätzlich dazu neige, viel nachzudenken, in mich zu gehen und zu reflektieren, merkte ich, dass es Zeit war, etwas zu verändern. Mir wurde bewußt, dass Familie das Wichtigste für mich ist, neben all den anderen Nichtigen Dingen dieser Welt. Dann erinnerte ich mich an meinen Großcousin. Ich fragte mich, wo er jetzt lebte und wie es ihm ginge. Dank der Erfindung des Internets fand ich mehrere Personen, die seinen Namen trugen, doch nur einer war Fotograf. War das ein Zeichen? Ein gemeinsames Hobby? Ich schrieb ihn an und nach kurzer Zeit bekam ich eine Antwort: er war es! Ich kann nicht in Worte fassen, welche Emotionen diese Nachricht in mir auslöste: alles von Sprachlosigkeit, über überschwängliche Freude, doch hauptsächlich Dankbarkeit. Wir blieben in Kontakt und nach 3 Jahren organisierten wir ein Treffen in Deutschland, obwohl er seit langer Zeit in den USA lebte. 

Nach 32 Jahren traf ich ihn wieder! Wir hatten einen ganz wundervollen Tag mit meiner Mutter, seiner Frau und der süßen Tochter. Dieser kleine Schatz hat mir das Herz gestohlen. Doch nun endlich weiß ich, es gibt jemanden da draußen, durch dessen Adern das selbe Blut fließt. Ich bin nicht allein und habe jemanden wiedergefunden, den ich Familie nennen darf. Das macht mich unglaublich glücklich und zuversichtlich. 

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